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Dokument des Monats April 2006

Auferstanden aus Ruinen...

Der Palast der Republik - vor dreißig Jahren nach fast dreijähriger Bauzeit eröffnet, nach dreißig Jahren wieder entfernt

 

Von der Eröffnung zum selektiven Rückbau
Dem Bau liegt ein Beschluss des Staatsrats der DDR vom 11. April 1973 zugrunde. Bereits im August begannen auf einem Teilstück des ehemaligen Schlossgeländes die umfangreichen Bauarbeiten, die im Dezember 1975 abgeschlossen werden konnten. Mit einem Festakt wurde der Palast nach 32-monatiger Bauzeit am 23. April 1976 feierlich er- und zwei Tage später auch für die Bevölkerung geöffnet. Der Palast der Republik zeigte sich vor allem mit seinen umfangreichen Foyers, den Restaurants, der Kegelbahn, aber auch mit dem Großen Saal für Veranstaltungen als Kulturpalast. Der kleine Saal diente als Sitz der Volkskammer, des Parlaments der DDR.

Am 19. September 1990 wurde das Gebäude aufgrund von Asbestverseuchung geschlossen. Kontroverse Diskussionen zwischen Gegnern und Befürwortern des Palastes folgten. Fast 30 Jahre nach seiner Eröffnung beschloss der Deutsche Bundestag am 19. Januar 2006 den Abriss. Bereits im Februar 2006 wurde mit sogenannten Rückbauarbeiten begonnen, Mitte Mai 2007 sollen sie abgeschlossen sein.


Foto: Außenansicht des Palastes der Republik   Foto: Palast vor der Eröffnung
Palast der Republik (Foto: Hornbogen 1981/DRA)
 
Vor der Eröffnung (Foto: Denger 26.3.1976/DRA)

 

Der Hintergrund


Als der Palast der Republik im April 1976 mit einer Galaveranstaltung eröffnet wurde, befand sich die DDR auf dem Höhepunkt einer wirtschaftlichen und außenpolitischen Konsolidierungsphase. Der Grundlagenvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten (1972) und die völkerrechtliche Anerkennung (1973) waren mit einer vorsichtigen kulturellen Öffnung und einer spürbaren Verbesserung der wirtschaftlichen Lebensumstände im Inneren einhergegangen. Die Ausbürgerung Wolf Biermanns setzte dann im gleichen Jahr innenpolitisch eine Zäsur.

Der Palast der Republik sollte in der Tradition eines Volkshauses das andere, bessere Deutschland repräsentieren und das Selbstbewusstsein eines souveränen Staates ausstrahlen. Ort und Ausrichtung des Gebäudes waren so gewählt, dass es sich gerade nicht in das Ensemble kaiserlicher Herrschaftsarchitektur einfügte, das historische Fundament sollte ein anderes sein.

Unsere Hörzitate möchten dieses Geschichtsbild in Erinnerung rufen und den derzeitigen "selektiven Rückbau" des Palastes begleiten.

(Markus Schulte / Jürgen Molkow)

Aufnahmen:

Hörzitat 1 (1'48''): Redeausschnitt Erich Honecker auf dem Richtfest des Palastes der Republik
18.11.1974 / DRA Babelsberg (ANR DOK2440)

Hörzitat 2 (1'15''): Hans-Peter Minetti rezitiert "So sind wir heute hier, ein Fest zu feiern…" - Eröffnungsgala
23.4.1976 / DRA Babelsberg (ANR 2025879)

 

Graffitifoto   Foto: Rückbau des Palastes
Graffiti (Foto: Molkow/2006)
 
Der Rückbau (Foto: Molkow/2006)
Stand: 15.3.2006
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