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Dokument des Monats Dezember 2006

Der Schauspieler Erwin Geschonneck wird 100

Foto: Portrait Erwin Geschonneck liest Strittmatter (1974)
Ponyweihnacht. Erwin Geschonneck liest Strittmatter (1974)
Foto: DRA/Nickel (DRAB FSD/042783/ FN/001)

Die Schauspielerei war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. 1906 als Sohn eines Schusters geboren wuchs er in Armut im Berliner Arbeitermilieu auf. Sein erstes Geld verdiente er sich mit Gelegenheitsjobs, u.a. als Botenjunge und Firmendiener.
Seine Erlebnisse in der Arbeiterjugend im Berlin der 20er Jahre verstärkten seine Entwicklung zum Kommunisten. Diese kommunistische Grundhaltung prägte sein gesamtes Leben.
Unter dem überwältigenden Eindruck der Aufführung der "Dreigroschenoper" am Theater am Schiffbauerdamm Ende 1928 entstand schließlich der Wunsch, selbst Schauspieler zu werden. Unter dem Künstlernamen Erwin Gösch trat er in der Jungen Volksbühne auf.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 emigrierte Geschonneck und spielte in den folgenden Jahren bei deutschen Theatergruppen in der Sowjetunion, in Polen und in der Tschechoslowakei. 1939 geriet er in die Hände der Gestapo und musste sechs Leidensjahre in verschiedenen Konzentrationslagern überstehen. Mit den Häftlingen des Konzentrationslagers Neuengamme wurde Geschonneck Anfang Mai 1945 auf das Schiff "Cap Arkona" verladen, das als schwimmendes KZ präpariert worden war. Das Bombardement der Royal Air Force am 3. Mai 1945 überlebten nur wenige - 350 von 4.500 Häftlingen, unter ihnen auch Erwin Geschonneck.

Hörzitat 1 (1'02''): "Der Lebensweg des Schauspielers Erwin Geschonneck"
DRA Babelsberg (ANR 2013062000)

Nach 1945 fing Geschonneck an, wieder Theater zu spielen. Nach einem kurzen Engagement an den Hamburger Kammerspielen wurde er von Helene Weigel am Berliner Ensemble engagiert. Mit der Rolle des Matti in dem Brecht-Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" begann seine sechsjährige Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht.

Hörzitat 2 (1'46''): Szene "Die Besteigung des Hatelmaberges" aus "Herr Puntila und sein Knecht Matti" mit Leonhard Steckel und Erwin Geschonneck
DRA Babelsberg (ANR 2024281001)

Geschonneck spielte in weiteren großen Rollen am Berliner Ensemble, wie in "Mutter Courage und ihre Kinder", "Die Gewehre der Frau Carrar", "Katzgraben".

Foto: Szenausschnitt aus dem Film 'Jacob der Lügner' (1974
Jakob der Lügner. Erwin Geschonneck (Kowalski, re) und Vlastimil Brodsky (Jakob, li) (1974)
Foto: DRA/ (DRAB FSD/024496/FN/002)
Ab 1956 wandte er sich ganz der Film- und Fernseharbeit zu. Nach seiner ersten Rolle als Statist in Slatan Dudows Film "Kuhle Wampe" 1932 hatte Geschonneck seine größten Filmrollen in den DEFA-Filmen "Fünf Patronenhülsen", "Nackt unter Wölfen" und "Jakob der Lügner". Sein komödiantisches Talent konnte er vor allem in den Filmen "Karbid und Sauerampfer" sowie "Der Lord vom Alexanderplatz" beweisen.
In seinen letzten aktiven Schauspielerjahren widmete sich Geschonneck mehr dem Fernsehfilm. Herausragend waren seine Darstellungen in den DDR-Produktionen "Meschkas Enkel", "Herbstzeit" und "Das alte Modell".

1995, als Geschonneck bereits 88 Jahre alt war, gelang es seinem Sohn, Regisseur Matti Geschonneck, den Vater zu einer letzten Filmrolle zu bewegen. Gemeinsam drehten sie den Fernsehfilm "Matulla & Busch". Mit dieser Arbeit beendete Erwin Geschonneck seine Karriere.

Dass Geschonneck neben seinem schauspielerischen auch musikalisches Talent besitzt, beweist seine innige Beziehung zu Küchenliedern, Schnulzen und Gassenhauern, die er mit Vorliebe und herzzerreißendem Schmelz interpretieren konnte.

Hörzitat 3 (3'52''): Aus "Lieder und Leidenschaft des Komödianten Erwin Geschonneck"
Berliner Rundfunk am 22.1.1986 / DRA Babelsberg (ANR 2002636X00)

(Angela Mehner)

 

Stand: 24.11.2006
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