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Dokument des Monats Mai 2006

"Das 'F' ist zu leise."

Zum fünfzigsten Todestag von Hermann Abendroth (1883-1956)

 

Foto: Hermann Abendroth am Dirigentenpult
Hermann Abendroth am Dirigentenpult
(Foto: DRA / Kubina)

Vor fünfzig Jahren starb Hermann Abendroth, einer der großen Dirigenten, die in den fünfziger Jahren in der DDR wirkten. Der aus einer Frankfurter Buchhändlerfamilie stammende Musiker studierte in München Dirigieren, Komposition und Klavier. 1907, mit nur 24 Jahren, wurde er nach Lübeck als Erster Kapellmeister an das Stadttheater berufen. Über Essen, wo er von 1911 bis 1914 Städtischer Musikdirektor war, kam Abendroth 1915 nach Köln. Hier sollte er fast zwanzig Jahre lang maßgeblich das musikalische Leben als Leiter des Gürzenich-Orchesters, als Generalmusikdirektor und als Professor am Konservatorium bestimmen. Beliebt als Gastdirigent, wirkte er in fast allen Musikstädten Europas.

1934 wurde Abendroth als Nachfolger des in die Emigration gegangenen Bruno Walter Gewandhauskapellmeister in Leipzig. 1945 wurde er aus politischen Gründen dieses Postens enthoben und ging als musikalischer Oberleiter nach Weimar. Dort war er ab 1946 als Generalmusikdirektor entscheidend am Wiederaufbau des Musiklebens der Stadt beteiligt. 1949 wurde er Chefdirigent des Leipziger und 1953 des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters. Seine Auszeichnung mit dem Nationalpreis der DDR 1949 zeugt von der großen Anerkennung, die ihm zu Teil wurde.

In den fünfziger Jahren führten ihn wiederum zahlreiche Konzerte ins Ausland; legendär wurde dabei die Aufführung aller Beethoven-Sinfonien in Moskau. Seit 1952 war er Mitglied der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin. Am 29. Mai 1956 starb er als einer der "Vorzeige-Dirigenten" der DDR in Jena.

Foto: Hermann Abendroth im Gespräch mit Karel Ancerl
Hermann Abendroth (rechts) im Gespräch mit dem Chefdirigenten der Prager Philharmonie Karel Ancerl
(Foto: DRA / Hartmann)

Bekannt wurde Abendroth vor allem als Interpret klassischer und romantischer Sinfonien von Schubert, Beethoven, Brahms, Bruckner und Tschaikowsky. In seiner Kölner Zeit setzte er sich aber auch für damals zeitgenössische Komponisten wie Bartók oder Strawinsky ein.

In der Literatur wird kritisch bewertet, dass er sich trotz aller Demütigungen mit den Mächtigen zu arrangieren versuchte – mit dem Hitler-Regime ebenso wie nach 1945 in Weimar mit der SED. Seine Maßstäbe setzenden Interpretationen und seine Abneigung gegen jede Art narzisstischen "Pultvirtuosentums" machen ihn bis heute zu einem der bedeutendsten deutschen Dirigenten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

(Mario Radermacher)

 

Aufnahmen:

Hörzitat (4'42''): Hermann Abendroth bei einer Probe des 2. Satzes der 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven mit dem Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks Leipzig
aus: In memoriam Hermann Abendroth vom 6.6.1956 / DRA Babelsberg (ZMM988)

 

Mit Abendroth entstanden ab den zwanziger Jahren zahlreiche Schallplattenaufnahmen. Vom Deutschen Rundfunkarchiv, das über eine Vielzahl von Rundfunkproduktionen und Konzertmitschnitte verfügt, wurden folgende Mitschnitte in Kooperation mit Music & Arts, Berkeley veröffentlicht:


Außerdem wurde vom DRA zu Hermann Abendroth ein Sonder-Hinweisdienst Musik (52. Jahrgang, 2006) veröffentlicht:

 

Stand: 13.4.2006
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