[an error occurred while processing this directive]
 

Dokument des Monats April 2007

Vom Lachen

Zeichnung: Lachender Mund

Das menschliche Lachen hat sich, Evolutionsbiologen zufolge, vor etwa sechs Millionen Jahren entwickelt. Aber erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler sich mit dem Lachen und seinen Auswirkungen auf Körper und Seele zu beschäftigen. Sie begründeten ihre eigene Wissenschaft – die Gelotologie (vom griechischen gelos = Gelächter). Lachen baut Stress ab, aktiviert Atmung und Kreislauf, stärkt die Immunabwehr, regt die Verdauung an und macht einfach glücklich. Der Lachende beschert sich selbst ein Stück Unbeschwertheit. Menschen, die häufiger lachen, wirken auf ihre Mitmenschen spritziger und einfallsreicher als Griesgrame. Es ist im positiven Sinne ansteckend – selbst dann, wenn man den Grund für die gute Laune eines anderen Menschen gar nicht kennt. Lachen ist ein soziales Schmiermittel, das Einverständnis schafft und die Atmosphäre entspannt.

Trotz all dieser positiven Eigenschaften auf Körper und Seele befindet sich das Lachen in unseren Tagen ganz offensichtlich auf dem Rückzug. So hat der Psychologe und Lachtherapeut Michael Titze herausgefunden, dass 1950 die Menschen täglich noch etwa 18 Minuten gelacht haben – heute sind es im Schnitt nur noch sechs Minuten. Verantwortlich dafür ist vor allem der zunehmende Druck auf dem Arbeitsmarkt. Daraus resultierendes Konkurrenzdenken erschwert die Heiterkeit im zwischenmenschlichen Bereich.

Wie viel Freude und Spaß Menschen an ihrer Arbeit haben können, beweist das folgende Hörzitat: es handelt sich um das Gelächter des Dramatikers Bertolt Brecht, aufgenommen von Hans Bunge während der Proben zum "Kaukasischen Kreidekreis" im Berliner Ensemble aus dem Jahr 1954. Brecht lachte sehr gern und es wurde viel bei ihm gelacht, auch wenn, so die Einschätzung von Elisabeth Hauptmann, die Arbeit noch so wichtig, noch so dringend sein mochte. Das Hörzitat vermittelt gerade auch einen Eindruck davon, mit welchem Engagement und welcher Leidenschaft Brecht während der Proben bei der Sache war. In Bezug auf das Theater war er der Ansicht, die Leute sollen viel lachen, viel denken und anschließend viel diskutieren.

Grafik: grafische Darstellung des Gelächters von Bertolt Brecht 1954
Grafische Darstellung des Gelächters von Bertolt Brecht 1954

 

Hörzitat (0'09''): Gelächter Brechts, 1954
Ausschnitt aus der Sendung Brecht auf der Probe. Originalaufnahmen von Proben für den "Kaukasischen Kreidekreis" und "Leben des Galilei" im Berliner Ensemble, kommentiert von Hans Bunge
28.12.1977 (Länge der gesamten Aufnahme: 71'30''), DRA Babelsberg, ANR 2003415X00

(Jörg-Uwe Fischer)

 

Stand: 24.03.2007
[an error occurred while processing this directive]