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Dokument des Monats August 2007

"Uns ist die Gesundheit teuer - gib mal Feuer"

Von der Schädlichkeit des Rauchens - Antiraucherkampagnen in der DDR

Logo: Rauchverbot

Das staatliche Gesundheitswesen der DDR war stets bemüht, die Bürger zu einer gesunden und hygienischen Lebensweise zu erziehen. Vor allem in Sachen Rauchen wurde nichts unversucht gelassen, um die Menschen zur Aufgabe zu bewegen, sie von der Schädlichkeit des Zigarettenkonsums zu überzeugen. Der Erfolg solcher Antiraucherkampagnen war indes bescheiden. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 1976 betrug der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch, auf alle Einwohner der DDR bezogen, 1468 Zigaretten. 1977 wurden pro Kopf der Bevölkerung 1576 Zigaretten verbraucht. Der tatsächliche Tabakverbrauch eines Rauchers betrug im Durchschnitt jährlich etwa 5,5 bis 6,0 kg. Das sind 5500 bis 6000 Zigaretten im Jahr oder 15 bis 16 täglich. 1980 rauchten in der DDR von rund 17 Millionen Einwohnern etwa 1,3 Millionen Frauen und 3,2 Millionen Männer, die 18 Jahre und älter waren, mithin etwa 40 Prozent der erwachsenen Bürger.

Die Zahl der jugendlichen Raucher wurde auf etwa eine Million geschätzt. 1990 ergab eine landesweite Befragung des Instituts für Sozialhygiene beim Gesundheitsministerium eine rückläufige Zahl der Raucher in der DDR. Etwa 27 Prozent der DDR-Bürger rauchten noch, wobei ein Großteil der Tabakkonsumenten jünger als 35 Jahre war. Bevorzugt geraucht wurden über all die Jahre die Marken "Caro", "Club", "Duett", "F6" oder "Juwel". Die meistgerauchte Zigarette zu DDR-Zeiten war die "Cabinet".

Thematisiert wurde die Schädlichkeit des Tabakkonsums auch im Unterhaltungsgenre von Funk und Fernsehen. So gab es am 5. Oktober 1963 etwa den Auftritt des in der DDR damals sehr bekannten Quartetts "Die Vier Brummers" in der ebenso beliebten Unterhaltungsshow "Da lacht der Bär". Mit dem Titel "Solang Zig´retten glühn" sangen die Künstler auf heitere Art und Weise das hohe Lied auf die Volksgesundheit und gegen die Gefährlichkeit des Rauchens (DRA Babelsberg IDNR 043360).

Ein zweites Beispiel, mit dem vor allem das jüngere Publikum angesprochen werden sollte, ist der Song "Von der Schädlichkeit des Rauchens" von Horst Krüger, Roland Kästner und der Horst-Krüger-Studioband. Aufgenommen im Juli 1978 werden darin die Konsequenzen für Körper und Seele recht drastisch besungen. Insbesondere der Raucherhusten am Liedende dürfte gerade den starken Raucher auf doch unangenehme Weise berühren. Krüger gehörte zum alten Stamm der DDR-Beat/Rock-Musiker. Im Januar 1968 gründete er sein erstes Sextett. 1971 brachte Amiga die erste LP "Horst Krüger und sein Ensemble" heraus. Ein Jahr später wurde die Band zum Septett und 1973 erweiterte er die Band um drei Sängerinnen und einen Sänger. Waren die Titel dieser Phase von einer Beatmusik geprägt, die zum Schlager tendierte, so waren die Songs der zweiten LP ("Geh durch die Stadt") schon rockiger. Im September 1973 entstand die Horst Krüger Band. Mitte 1976 löste Krüger die Band auf, da er fortan vorwiegend komponieren wollte.

 

Hörzitat (1'01''): "Von der Schädlichkeit des Rauchens", 1978 (Ausschnitt)
Horst Krüger (Gesang, Bearbeitung), Roland Kästner (Text), "Unternehmen Münchehofe" (Gesang), Horst Krüger-Studioband
24.07.1978, DRA Babelsberg StMT 10169 (3'10")


(Jörg-Uwe Fischer)

 

Stand: 24.07.2007
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