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Dokument des Monats Dezember 2007

Lautsprache

Einsam und verlassen

Abbildung Trampeltier

Für die Mehrzahl der Individuen – egal ob Mensch oder Tier – ist Alleinsein und Einsamkeit, ist Verlassenheit unerträglich. Tiere empfinden Verlassenheit, wenn sie spüren, dass die Mutter, die Artgenossen nicht mehr in der Nähe sind. Ist ein Tier von seinem Partner, seiner Herde oder Schwarm getrennt und außer Sichtweite, lässt es seinen Verlassenheitsruf hören. Mit Verlassenheitsrufen signalisiert ein Junges seiner Mutter aber auch den Ort, wo sie ihr Kind zurückgelassen hat. Meist ist es ein lauter, weittragender Ruf, der sich etwas kläglich anhört, wie in dem hier vorgestellten Hörzitat mit dem Laut eines Trampeltiers (camelus ferus). Diese tagaktiven Tiere leben meist in Haremsgruppen mit rund 15 Tieren. An ihren zwei Höckern sind sie sofort vom Dromedar zu unterscheiden. Als Wildtiere kommen sie nur noch in kaum nennenswerten Beständen in der Wüste Gobi vor. Eine Haustierform wurde in Mittelasien aber schon vor etwa 4500 Jahren gezüchtet. In seiner Heimat wird es als Fleisch-, Milch- und Wolllieferant gehalten, aber auch als Last- und Reittier genutzt. Wenig Schmeichelhaftes über das Trampeltier ist im vierten Band - Säugetiere von "Brehms Tierleben" (Ausgabe Leipzig 1916, S. 58) nachzulesen:

"Abgesehen von seiner Genügsamkeit, Stärke, Ausdauer und Beharrlichkeit, lässt sich weinig zu seinem Ruhme sagen. Seine geistigen Begabungen stehen auf ebenso tiefer Stufe wie die des Dromedars: es ist ebenso dumm, gleichgültig und feig wie dieses. (…) Wenn es von einem Wolfe angefallen wird, denkt es nicht an Gegenwehr. Es vermöchte solchen Feind mit einem einzigen Schlage zu fällen: aber es spuckt ihn nur an und schreit aus voller Kehle. Eine Ausnahme von der Regel bilden nur die paarungslustigen Männchen, die so wütend werden können, daß man sie (…) mit Ketten fesseln muß."

In den meisten Haustier-Ratgebern sind die häufigsten Lautäußerungen und Ausdrucksverhalten der Tiere grob erklärt und zur Interpretation freigegeben. Bei Zoo- bzw. frei lebenden Tieren ist es schon etwas komplizierter solche Erklärungen zu finden, bei den Trampeltieren indes war es vergeblich.

 

Hörzitat (0'50''): Verlassenheitsrufe eines Trampeltiers (im Freien)
DRA Babelsberg, Geräuscharchiv TS 1411


Dieses Hörzitat ist ein Beispiel aus der umfangreichen und vielfältigen Sammlung auch von Tierstimmen im Geräuscharchiv des DRA Babelsberg. Es umfasst über 36.000 Einzelgeräusche, Atmosphären und Spezialeffeke auf 12.000 Tonbändern mit einer Gesamtspieldauer von ca. 1000 Stunden. Dieses Geräuscharchiv ist durch seine thematische Breite und seine Vielfalt an natürlichen Geräuschvarianten für viele Produktionen der Rundfunkanstalten von besonderem Reiz. Zu den Interessenten gehören aber auch Theater sowie andere öffentliche Einrichtungen.

 

(Jörg-Uwe Fischer)

 

Stand: 20.11.2007
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