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Dokument des Monats Juni 2007

Poet und Kommunist

50. Todestag des Dichters Louis Fürnberg

Foto: Portrait Louis Fürnberg vor seiner Buecherwand, 1956
Foto: Portrait Louis Fürnberg, 1956 (DRA/N.N.)

Alt möchte ich werden wie ein alter Baum...

So beginnt eines der vielen Gedichte, die Louis Fürnberg in seinem kurzen Leben geschrieben hat. Dieser Traum ging für ihn nicht in Erfüllung, mit 48 Jahren starb er an einem Herzinfarkt.

Louis Fürnberg wurde am 24. Mai 1909 in Mähren als Sohn eines Kaufmannes geboren. Früh entdeckte er seine Liebe zu Musik und Literatur und besuchte in Prag Vorlesungen der Germanistik und Philosophie, nahm Klavierunterricht.
1928, mit 17 Jahren, trat er in die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei ein. 1932 gründete Fürnberg seine Spieltruppe "Echo von links", für die er unter dem Pseudonym "Nuntius" Lieder und Kantaten schrieb und komponierte.

Nach Verhaftung und Misshandlung durch die Nationalsozialisten gelang ihm die Flucht aus Prag über verschiedene Stationen nach Palästina. Schwer litt er unter der Deportation und Ermordung seiner Familie jüdischer Herkunft.

1946 kehrte Fürnberg nach Prag zurück, arbeitete als Journalist für mehrere Zeitungen und als Kulturattaché der tschechoslowakischen Botschaft in Berlin. Seine Begeisterung für Goethe und die klassische deutsche Literatur führte dazu, dass er 1954 mit seiner Familie nach Weimar übersiedelte und dort als stellvertretender Leiter der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten arbeitete. Besonders widmete er sich der Erforschung der Beziehungen deutscher und slawischer Kulturen. Er wurde zum Mitbegründer der Zeitschrift "Weimarer Beiträge" und förderte zahlreiche junge Autoren.

Fürnberg verstand sich stets als ein "politischer Dichter". Seine Dramen, Kantaten und Lieder zeugen von seiner kommunistischen Gesinnung. Das Lied "Du hast ja ein Ziel vor den Augen" wurde in der DDR millionenfach von FDJ-Generationen gesungen. Sein Name wird auf einseitige Weise und oft ausschließlich nur mit den politisch instrumentalisierten Gedichten - wie "Lied der Partei" aus dem Jahr 1950 - verknüpft.

Fürnberg schrieb Lyrik und Prosa, beeinflusst von seiner tiefen Liebe zur Natur und zum Menschen. Davon zeugen Werke wie die "Mozart-Novelle", "Begegnung in Weimar", "Wanderer in den Morgen" u.a. Auch als Nachdichter aus dem Tschechischen machte sich Fürnberg einen Namen.

Am 23. Juni 1957 starb Louis Fürnberg in Weimar.
Sein Gedicht "Alt möcht ich werden..." diente übrigens der Rockgruppe Puhdys als Vorlage für ihren Titel "Alt wie ein Baum möchte ich werden, genau wie der Dichter es beschreibt...".

Hörzitat 1 (0'53''): Louis Fürnberg liest aus seinem Text "Die Begegnung in Weimar"
06.01.1955, DRA Babelsberg, ANR D000735105 (18'00'')

Hörzitat 2 (0'49''):Louis Fürnberg singt "Sucht der Mausekönig eine Mausefrau"
Dokumentaraufnahme aus dem Fürnberg-Archiv Weimar.
Enthalten in "Louis Fürnberg - der Komponist"
25.09.1967, DRA Babelsberg, ANR 3M3022 (54'30'')


(Angela Mehner)

 

Stand: 31.05.2007
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