[an error occurred while processing this directive]
 

Das besondere Dokument - 2008/2

Anna Seghers - "Das siebte Kreuz"

Foto Anna Seghers 1965
Anna Seghers (1900-1983)
Aufnahme 1965, Foto: DRA/Leher

"Der bedeutendste Roman, den eine Frau in deutscher Sprache geschrieben hat: Die im Exil entstandene Geschichte einer gelungenen Flucht aus einem Konzentrationslager. Der Roman ist kein politisches Kampfbuch und nicht etwa ein Rachegesang, sondern ein Buch der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe, verfasst von einer Dichterin der Angst und des Schreckens." Das schrieb Marcel Reich-Ranicki 2003 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über den Roman "Das siebte Kreuz".

Anna Seghers begann 1938, vor siebzig Jahren, im Exil in Paris mit der Arbeit an diesem Buch, das sie weltberühmt machen sollte. 1942 erschien es zuerst in englischer Sprache, 1943 folgte die erste deutschsprachige Ausgabe im mexikanischen Verlag "El Libro Libre". Eine Buchclub-Edition, eine Comic-Strip-Version und eine Armee-Ausgabe in den USA schlossen sich an. Breite Aufnahme erfuhr der Stoff schließlich 1944 durch die Verfilmung des Oscar-Preisträgers Fred Zinnemann mit Spencer Tracy in der Hauptrolle.

Foto Anna Seghers im Gespräch mit Christa Wolf 1965
Anna Seghers im Gespräch mit
Christa Wolf
Aufnahme 1965, Foto: DRA/Denger

"Das siebte Kreuz" beschreibt den Gegensatz zwischen dem nationalsozialistischen Regime und dem deutschen Volk; es zeigt, wie das totalitäre System alles durchdrang, und es erzählt vom Widerstand. Das Buch ist anders als viele Exilromane der ersten Jahre, weil sich die Autorin im Unterschied zu vielen ihrer ins Ausland getriebenen Kollegen die Liebe zur Heimat Deutschland nicht versagt und zum Gegenstand des Erzählens macht. Vielleicht war darin die große Wirkung begründet, was Anna Seghers auch selbst mutmaßte: "Man hat mir gesagt, zum Teil hat dieser Erfolg in den USA auch darauf beruht, weil viele Menschen zum ersten Mal stutzig wurden; sie haben zum ersten Mal verstanden, dass Hitler, bevor er sich auf fremde Völker gestürzt hat, den besten Teil seines eigenen Volkes kaputtgemacht hat." Carl Zuckmayer sah es ebenso: "Es ist das einzige epische Werk der gesamten deutschen Exilliteratur, in dem nicht nur mit gerechtem Zorn Partei genommen wird, sondern – aus der Ferne – ein menschlich glaubhaftes Bild des verfinsterten Deutschland gelungen ist."

Nach vierzehnjährigem Exil in Frankreich und Mexiko kehrte die im Jahre 1900 als Netty Reiling in Mainz geborene Schriftstellerin in ihre Heimat zurück. Seit 1928 war sie Kommunistin und entschied sich daher für den Osten Deutschlands, in der Hoffnung, dass dort "etwas Neues" beginnen werde. Von 1952 bis 1978 fungierte Anna Seghers als Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR, veröffentlichte zwei weitere Romane, Erzählungen, Novellen und Essays. Literarisch und politisch war sie in die Widersprüche des sozialistischen Realismus und des real existierenden Sozialismus verstrickt, auch auf tragische Weise. War sie eine "Dichterin der Angst und des Schreckens"? Der sie so nannte, Marcel Reich-Ranicki, wusste wohl um die Brüche, Widersprüche, Verstrickungen in Anna Seghers’ Leben, wenn er ihrem Hauptwerk bescheinigte: "»Das siebte Kreuz«, dieses große literarische Kunstwerk, ist heute ein Roman gegen die Diktatur schlechthin."

Anna Seghers starb vor 25 Jahren, am 1. Juni 1983, in Berlin.
 

Hier sollte ein MP3-Player als Flash-Objekt erscheinen.

Hörzitat 1 (2'42''): Gespräch zwischen Anna Seghers und Christa Wolf über "Das siebte Kreuz"
Aufnahme vom 7.3.1965, Deutschlandsender
DRA B ANR 2028467000

Hier sollte ein MP3-Player als Flash-Objekt erscheinen.

Hörzitat 2 (5'03''): Anna Seghers liest aus ihrem Roman "Das siebte Kreuz"
Aufnahme vom 9.11.1968, Deutschlandsender
DRA B ANR D002924101
 

(Angela Mehner)

 

 

Stand: 14.05.2008
[an error occurred while processing this directive]