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Das besondere Dokument - 2010/1

"Das singende Herz der Arbeiterklasse"

Ernst Busch zum 110. Geburtstag und 30. Todestag
 

Foto: Bert Reisfeld

Ernst und Eva Busch, 1945
Foto: DRA/Schlosser

Als "Roter Orpheus" und "Barrikaden-Tauber" wurde er tituliert. In der DDR vereinnahmte man ihn als "Das singende Herz der Arbeiterklasse". Ernst Busch – geboren am 22. Januar 1900 in Kiel, gestorben am 8. Juni 1980 in Berlin – machte sich als Schauspieler und Sänger einen Namen. Mit seiner kräftigen und eindringlichen Stimme war er bekannt als Interpret von Künstlern wie Kurt Tucholsky, Erich Weinert, Bertolt Brecht und Hanns Eisler. Als Schauspieler brachte Busch einen neuen Darstellungstyp ans Theater und führte einen neuen Sprachgestus ein.

1927 holte Erwin Piscator den "singenden Schauspieler", wie Busch sich selbst bezeichnete, nach Berlin. Busch zog in die Künstlerkolonie, Bonnerstraße 11, wo noch heute eine Gedenktafel an ihn erinnert. Er trat auf Theaterbühnen, mit Kabarettprogrammen, in Filmen und bei Großveranstaltungen auf und erlangte in Berlin rasch Bekanntheit. 1928 sang Busch in der Dreigroschenoper und übernahm auch eine Rolle in der Verfilmung des Bühnenstücks 1931. Im Jahr darauf spielte er die Hauptrolle in Slátan Dudows Kuhle Wampe.

Ab 1929 wirkte er auch in zahlreichen Rundfunksendungen mit, vor allem für die Berliner Funkstunde. Er zeigte sich aufgeschlossen für die damals neue Kunstgattung des Hörspiels. In Friedrich Wolfs SOS rao rao Foyn – 'Krassin' rettet 'Italia' vom 5. November 1929 sprach Ernst Busch gleich mehrere Rollen. Diese älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion des deutschen Rundfunks ist zugleich das älteste noch vorhandene Tondokument seiner Radioauftritte. Das Hörspiel beruht auf einer wahren Begebenheit und behandelt die dramatische internationale Such- und Rettungsaktion nach dem Luftschiff Italia, das 1928 beim Flug über den Nordpol abstürzte.

 
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Hörzitat 1 (1'22''): Szene aus dem Hörspiel "SOS rao rao Foyn – 'Krassin' rettet 'Italia'" von Friedrich Wolf
Funker Schelagin gesprochen von Ernst Busch, Tschuchnowski gesprochen von Gustav von Wangenheim, Regie: Alfred Braun
Aufnahmedatum: 5.11.1929; 64'09"
DRA F B003851812

 

Anfang März 1933 verließ Ernst Busch Deutschland und emigrierte in die Niederlande. Kurz nach seiner Ankunft sang er im Programm der VARA Hilversum das Solidaritätslied auf Niederländisch. Diese Sendung erreichte auch Deutschland. Weitere Stationen seiner Emigration waren Belgien, die Schweiz, Paris, Wien und schließlich die Sowjetunion.

1937 ging er nach Spanien und begleitete die Kämpfe der Internationalen Brigaden mit seinen Liedern. Am wohl bekanntesten davon ist Paul Dessaus Spaniens Himmel. Ernst Busch trat an der Front und im Hinterland auf, brachte Schallplatten und das Liederbuch Canciones de las Brigadas Internacionales heraus.

Nach dem Sieg Francos kam er nach Antwerpen und arbeitete für das dortige Radio. Am 10. Mai 1940 wurde er verhaftet und in französischen Lagern interniert. Nach einem Fluchtversuch in die Schweiz überstellte man ihn 1943 der Gestapo. Es folgte eine Anklage wegen Hochverrats und Gefängnishaft in Berlin und Brandenburg. Bei einem Bombenangriff wurde die Haftanstalt getroffen und Ernst Busch schwer verletzt – eine Gesichtshälfte blieb gelähmt.

Nach seiner Befreiung ging Busch nach Berlin und meldete sich am 9. Juli 1945 mit Eva Busch über den Berliner Rundfunk bei den Hörern zurück. In der Sendung aus der Reihe Wir haben euch nicht vergessen sprechen beide über ihre Emigration und geben Ausschnitte aus ihrem Lieder-Repertoire zu Gehör. Die überstandene Gefängnishaft und seine erlittene Verletzung hört man Ernst Busch in der Aufnahme nicht an.

 
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Hörzitat 2 (1'27''): Ausschnitt aus einem Gespräch mit Ernst und Eva Busch
Ernst Busch über seine Emigration in die Niederlande 1933. Ausschnitt aus dem Solidaritätslied (Brecht/Eisler) auf Niederländisch.
Aufnahmedatum: 9.7.1945; 14'00"
DRA B B012695489

 

1946 gründete Ernst Busch die Schallplattenfirma Lied der Zeit. Bereits im Vorjahr war er wieder an Berliner Bühnen tätig. Hier feierte er bald Erfolge. Als Schauspieler setzte er, vor allem in seinen Brecht-Rollen, Maßstäbe: 1947 als Galileo Galilei im gleichnamigen Stück, als Koch in Mutter Courage und ihre Kinder, 1954 als Azdak im Kaukasischen Kreidekreis oder auch 1954 als Mephisto in Goethes Faust. 1961 zog er sich jedoch von der Bühne zurück – angeblich aus gesundheitlichen Gründen.

Er trat in den Folgezeit fast nur noch als Sänger auf. Ein Projekt, das ihn die kommenden Jahre begleitete, war die Arbeit an einer Schallplattenreihe. Unter dem eigens dafür gegründeten Label Aurora nahm er über 200 seiner Lieder auf. Sein gesangliches Lebenswerk blieb dadurch für die Nachwelt erhalten.

Am 8. Juni 1980 starb Ernst Busch in Berlin.

 

Weitere Hinweise auf Tondokumente zu Ernst Busch:

CD-Cover DRA-CD "Ernst Busch und der Rundfunk"

 

(Alexandra Luther)

 

Stand: 23.12.2009

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