[an error occurred while processing this directive]
 

Das aktuelle Ereignis

Geburtstag des Schriftstellers Walter Benjamin (15.07.1892)

120. Geburtstag am 15. Juli 2012



Kurzinformationen

Foto: Straßenschild Walter-Benjamin-Platz Foto: Walter-Benjamin-Platz in Berlin

In Walter Benjamins Geburtsstadt Berlin hat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf 2001 einen nahe dem Kurfürstendamm gelegenen Platz nach dem Schriftsteller benannt.
Fotos: DRA/Jäger

 
Schriftsteller
  • geboren am 15. Juli 1892 in Berlin
  • gestorben am 26. September 1940 in Portbou

 
 
 
 
 
 
 

Hörzitat 1 (2'11") aus: Dokument
DRA Frankfurt K000638269


Hörzitat 2 (1'43") aus: Dokument
DRA Babelsberg K001764381



Zur Welt kam er am 15. Juli 1892 in Berlin, der Stadt, der er mit seinen  Miniaturen in "Berliner Kindheit um neunzehnhundert" ein anrührendes Denkmal gesetzt hat. Gestorben ist er von eigener Hand am 26. September 1940 in Portbou, an der Grenze Frankreichs zu Spanien, wohin er auf der Flucht vor dem Nazi-Regime sich zu retten gehofft hatte. Zwischen diesen Daten lag das Leben eines Philosophen, Literaturkritikers, Essayisten, Übersetzers, Schriftstellers, der gegenüber einer Verwandten von sich gesagt haben soll: Ich pflücke Blumen am Rande des Existenzminimums.

Die in Berlin-Charlottenburg lebenden Eltern, der Vater war ein wohlhabender Kunst- und Antiquitätenhändler, gaben ihm die Vornamen Walter Bendix und dazu Schoenflies, den Geburtsnamen der Mutter. Nach seiner Schulzeit, die er zeitweise in einer Reformschule verbrachte, wo er mit Gustav Wyneken in Verbindung kam, studierte er Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Berlin, Freiburg und Bern; promoviert wurde er in Bern mit Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik, seine in Frankfurt unter dem vieldeutigen Titel Ursprung des deutschen Trauerspiels eingereichte Habilitationsschrift, zu originär für den deutschen akademischen Betrieb, musste er,  einer Ablehnung zuvorkommend, 1925 zurückziehen. 

Zahlreiche Arbeiten Benjamins entstanden während seiner Auslandsaufenthalte u.a. in Paris, Moskau oder auf Ibiza, wo er – in den 20er Jahren aus wirtschaftlicher, in den 30er Jahren aus politischer Not – Zuflucht gesucht hatte. Bescheidene Zahlungen von Max Horkheimers Institut für Sozialforschung, dem er als Mitarbeiter lose verbunden war, ermöglichten ihm im Exil ein prekäres Auskommen. Versuche seiner Freunde, ihn nach Palästina oder Amerika in Sicherheit zu bringen, blieben erfolglos.  Erst am Beginn des Krieges, wie viele andere war er in Frankreich zunächst interniert worden, flüchtete er vor den vorrückenden Deutschen  in den Süden, um über Spanien und Portugal nach den USA zu gelangen. Als man der Gruppe von Flüchtlingen, der er sich angeschlossen hatte, den Grenzübertritt nach Spanien verweigerte, nahm er sich das Leben. 

Benjamins Werk war nach 1945 wenig präsent, erst die Studentenbewegung der 60er Jahre sah in seinen Schriften eine anhaltende Aktualität, ebenso wie in den Schriften vieler anderer, mit denen Benjamin zeitlebens verbunden oder in Kontakt gewesen war: Theodor W. Adorno oder Hannah Arendt, Ernst Bloch oder Bertolt Brecht, Franz Hessel oder Hans Mayer, Alfred Sohn-Rethel und andere mehr.
In dieser Zeit am einflussreichsten von seinen kulturkritischen Arbeiten war wohl Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, von seinen philosophischen Schriften die Thesen über den Begriff der Geschichte. Das von ihm selbst als Hauptwerk geplante Passagenwerk, der Titel sollte Paris, die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts lauten, galt als verloren und ist Fragment geblieben.
In den 60er Jahren erfuhr Benjamin damit eine Zuordnung, wie sie auch seine linksintellektuellen Zeitgenossen und das Institut für Sozialforschung seinerzeit getroffen hatte. Namentlich das Werk Theodor W. Adornos ist in vielerlei Hinsicht dem Denken Benjamins verpflichtet. Entgegen dieser marxistischen Akzentuierung sieht Gershom Scholem, der Benjamin von früher Jugend an zeitlebens nah und verbunden blieb, ihn vor allem in der Tradition und Kontinuität jüdischen messianischen Denkens. 

Ein O-Ton Walter Benjamins ist nicht überliefert, wohl aber die Aufnahme zweier Szenen aus Radau um Kasperl, einem Kinderhörspiel aus seiner Feder. Schwer zu sagen, ob in diese Miniatur Gedanken eingeflossen sind, wie sie sich in Theater und Rundfunk. Zur gegenseitigen Kontrolle ihrer Erziehungsarbeit von 1931/32 oder in seinem Notizbuch aus der gleichen Zeit unter  Reflexionen über den Rundfunk finden, die Benjamin ebenso wie der ihm nahestehende Brecht zu dem damals noch neuen Medium angestellt hat.


Tondokumente in Auswahl

 

Siehe auch die DRA-CD:

CD-Cover Was Kinder gerne hör(t)en, was Kasperl zu erzählen hat
Kinderlieder und -hörspiele aus dem Deutschen Rundfunkarchiv aufgenommen in den 1930er und 1950er Jahren.

 
Diese CD enthält unter anderem auch die beiden Szenen aus dem Kinderhörspiel Radau um Kasperl von Walter Benjamin.

 

Stand: 4.Juli 2012
[an error occurred while processing this directive]