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Das aktuelle Ereignis

Ende des ersten Passierscheinabkommens zwischen dem Senat von Berlin (West) und der DDR (05.01.1964)

50. Jahrestag am 5. Januar 2014



Kurzinformationen

Foto: Wartende Westberliner vor ihrer Einreise in die DDR
Wartende Westberliner vor ihrer Einreise in die DDR
Foto: DRA / Screenshot aus "Im Blickpunkt - Das Berliner Passierscheinabkommen" vom 04.01.1964 (FESAD IDNR 241379)
 

Hörzitat 1 (1'07") aus: Dokument
DRA Babelsberg K002863933

Hörzitat 2 (1'53") aus: Dokument
DRA Babelsberg K002111685


DDR-Staatssekretär Erich Wendt und der West-Berliner Senatsrat Horst Korber unterzeichnen 28 Monate nach dem Mauerbau das erste Passierscheinabkommen. Es ermöglicht West-Berlinern, erstmalig ihre Verwandten in der Zeit vom 19.12.1963 bis zum 05.01.1964 in Ost-Berlin zu besuchen. Das Abkommen markiert den Beginn einer neuen Politik, da es zuvor weder eine gegenseitige Anerkennung staatlicher Einrichtungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik noch offizielle Kontakte zwischen den Behörden gegeben hat.

Nach der Unterzeichnung strömen die Westberliner in die provisorisch eingerichteten Passierscheinstellen. Mitarbeiter der ostdeutschen Polizei sind von der Bundesregierung und vom Berliner Senat aufgrund der Bedeutung eines solchen Schrittes für den Berlin-Status nicht geduldet. Offiziell werden deshalb Postangestellte eingesetzt, die getarnte Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes gewesen sein sollen. Etwa 1,2 Millionen Besuche von über 700.000 West-Berlinern werden am Ende gezählt. Ungeachtet der unterschiedlichen politischen und rechtlichen Standpunkte handeln die beiden deutschen Staaten von 1963 bis 1966 vier Passierscheinabkommen aus. Erst mit dem Viermächte-Abkommen über Berlin von 1971 ist es Einwohnern von Westberlin wieder möglich, nicht nur Verwandte, sondern auch Bekannte in der gesamten DDR zu besuchen. In umgekehrter Richtung dürfen ausschließlich Reisekader (Personen aus dem Staats- oder Parteiapparat sowie herausgehobene parteinahe Vertreter aus Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Sport) in den Westen fahren. Den Rentnern ist ab 1964 eine Besuchsreise pro Jahr zu westdeutschen Verwandten gestattet. Der übrigen DDR-Bevölkerung ist Reisen in die Bundesrepublik und nach West-Berlin verwehrt. Nach dem UNO-Beitritt der DDR 1973 ergibt sich stufenweise für deren Bürger die Möglichkeit, in sehr dringenden Familienangelegenheiten Verwandte ersten Grades in der Bundesrepublik und in Westberlin zu besuchen. Es dürfen aber bis zum Mauerfall immer nur die direkt verwandten Personen reisen, niemals Ehepaare oder ganze Familien.

Das Passierscheinabkommen wird in der DDR als völkerrechtliche Übereinkunft gewertet, die Bundesregierung und der Senat von Berlin sehen es hingegen als Verwaltungsvereinbarung. Eine Postwurfsendung und ein Merkblatt des Senats von Berlin an die Westberliner stellt klar, dass mit der Unterschrift unter das Antragsformular keine Anerkennung der DDR verbunden ist.

Die Hörzitate belegen, dass der Rundfunk der DDR das vom Westberliner Senat aus humanitären Gründen unterzeichnete Passagierscheinabkommen für eine Propagandakampagne benutzte. Deren Ziel war es, das Ansehen der DDR-Regierung und –Behörden zu verbessern. Einige der angeblich zitierten Westberliner Stimmen wirken bestellt.

 

Fernsehdokumente aus dem Programm des Deutschen Fernsehfunks (DFF)

Tondokumente aus dem Programm des Rundfunks der DDR

 

Stand: 07. Januar 2014
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