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Das aktuelle Ereignis

Der Aufruf "Für unser Land" (28.11.1989)

25. Jahrestag der Verlesung durch Stefan Heym am 28. November 2014



Kurzinformationen

  Videozitat 1 (2'44")
aus: Dokument DRA Babelsberg FESAD IDNR 045528
 
 




 

Stefan Heym während der Pressekonferenz am 28.11.1989
Quelle: DRA Babelsberg, Aktuelle Kamera vom 28.11.1989

 

Am 28.11.1989, knapp drei Wochen nachdem die Mauer gefallen war, stellte der Schriftsteller Stefan Heym auf einer Pressekonferenz in Berlin ein Initiativpapier verschiedener DDR-Bürger zur Erhaltung der DDR unter sozialistischen Vorzeichen vor. Der Aufruf trug den Titel "Für unser Land" und schilderte zwei Alternativen für die zukünftige Entwicklung der DDR. Zunächst wurden der Weg in die Marktwirtschaft und die Aufgabe der Eigenstaatlichkeit beschrieben. Kern des Appells war aber das Ziel, "in gleichberechtigter Nachbarschaft zu allen Staaten Europas eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln." Es wurde dazu aufgerufen, die "materiellen und moralischen Werte" des Sozialismus zu erhalten und sich für eine unabhängige DDR einzusetzen. Formuliert worden war der Aufruf unter maßgeblicher Mitarbeit von Christa Wolf. Am 26.11.1989 wurde er von 30 Initiatoren, bezeichnet als "Erstunterzeichner", mit Namen und Berufen unterschrieben. In die breite Öffentlichkeit gelangte der Aufruf auf der Pressekonferenz im internationalen Pressezentrum in Berlin am 28.11.1989 (Videozitat 1) und durch den Abdruck des Textes in der Tageszeitung "Neues Deutschland" am 29.11.1989. Die Initiatoren gehörten verschiedenen Berufsgruppen an und waren unterschiedlicher politischer Herkunft. Bis dahin in der Öffentlichkeit unbekannte Bürger, "altgediente" Systemkritiker wie Stefan Heym und Prominente wie Christa Wolf oder Tamara Danz waren geeint durch die Vorstellung, dass sowohl die Idee des Sozialismus als auch der Staat DDR erhaltenswert seien. Der Appell forderte die Bürger der DDR auf, durch ihre Unterschrift und Rücksendung an benannte Adressen das Vorhaben der Aufruf-Initiatoren zu unterstützen.

Das Datum der Pressekonferenz fiel auf den gleichen Tag wie die überraschende Veröffentlichung des sogenannten "10-Punkte-Plans" von Helmut Kohl, in dem dieser eine Konföderation der beiden deutschen Staaten mit Vorbedingungen für die DDR verknüpfte. Diese zufällige Koinzidenz macht besonders augenfällig, dass der Aufruf "Für unser Land" der Versuch war, der immer schneller fortschreitenden Entwicklung zur "Wiedervereinigung" der beiden deutschen Staaten ein Haltesignal entgegenzusetzen. Unter dem Einfluss der stark ansteigenden Fluchtwelle seit dem Sommer 1989 und der "Montagsdemonstrationen" in vielen Städten der DDR im Herbst desselben Jahres war es zunächst in den Forderungen überwiegend um Demokratie und Reformen in der DDR gegangen. Nach dem Mauerfall trat der Wunsch nach Einheit immer mehr in den Vordergrund.

Nach der Veröffentlichung wurde der Aufruf "Für unser Land" vor allem von den Medien der DDR thematisiert. Es folgten im Hörfunk sowie im Fernsehen verschiedene Beiträge und Diskussionsrunden (Videozitat 2). Bis zur Beendigung der Unterschriftenaktion im Januar 1990 sprachen sich ungefähr 1,5 Millionen DDR-Bürger für den Erhalt ihres Staates aus. Die Zahl der Nein-Stimmen war verschwindend gering, da der Aufruf eigentlich nur die Zustimmung vorsah. Die Zustimmungsrate entsprach ungefähr 10 bis 12 % der DDR-Bürger.

 

Videozitat 2 (0'59")
aus: Dokument DRA Babelsberg FESAD IDNR 176720
 
 




 

Interview mit Andrée Türpe, Mitautor des Aufrufs "Für unser Land"
Quelle: DRA Babelsberg, Aktuelle Kamera vom 29.11.1989

 

 

Im Rückblick ist festzuhalten, dass dieser Appell für den Erhalt einer reformierten DDR die starken historisch-politischen Strömungen zur deutschen Einheit nicht beeinflussen konnte, was aber bei Beginn der Aktion nicht abzusehen war.

 

 

Fernsehdokumente aus dem Programm des Fernsehens der DDR

 

Hörfunkdokumente aus dem Programm des Rundfunks der DDR

 

Stand: 12. November 2014
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