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Das aktuelle Ereignis

Martin Luther King besucht Ost- und West-Berlin (12./13.09.1964)

50. Jahrestag am 12./13. September 2014



Kurzinformationen

Bericht in der "Aktuellen Kamera" vom 14.09.1964 zum Besuch Martin Luther Kings in Ost-Berlin

 

Videozitat 1 (0'50")
aus: Dokument DRA Babelsberg FESAD IDNR 092928

 

Hörzitat 1 (2'05") aus: Dokument
DRA Babelsberg K2001005

Hörzitat 2 (1'41") aus: Dokument
DRA Babelsberg K2001005

 

Als der US-amerikanische Bürgerrechtler und spätere Nobelpreisträger Martin Luther King 1964 von Willy Brandt, dem Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, eingeladen wurde, standen zunächst nur die Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung für den ermordeten John F. Kennedy sowie eine Predigt in der Berliner Waldbühne auf der Tagesordnung. Ein Besuch in Ost-Berlin war nicht geplant. Tatsächlich zog die Vertretung des US-Außenministeriums in West-Berlin sogar Kings Reisepass ein, um einen solchen Schritt zu verhindern.1

Nach seiner Ankunft auf dem Flughafen Tempelhof am 12. September nahm King dennoch eine Einladung von Günter Jacob, dem Verwalter des Bischofsamtes von Ost-Berlin, an. Am Abend des 13. September überquerte King zusammen mit seiner Frau am "Checkpoint Charlie" die Grenze in die DDR. Als Ausweis diente ihm lediglich eine Kreditkarte.2

Ursprünglich sollte Martin Luther King nur eine Predigt in der Marienkirche am Alexanderplatz halten. Doch schon dort waren der Andrang und die Begeisterung so groß, dass spontan entschieden wurde, eine zweite Predigt in der Sophienkirche in Berlin Mitte abzuhalten.

In seiner Predigt begrüßte King die versammelten Zuhörer als seine "lieben christlichen Freunde in Ost-Berlin" und überbrachte Grüße der Christen aus West-Berlin (Hörzitat 1) und aus den USA. Weiter bezeichnete er Berlin als "Symbol der Teilungen durch Menschen auf dieser Erde" (Hörzitat 2). Den Hauptteil seiner Rede nahm der Rassenkampf in den USA ein. Gegen Mitternacht kehrte King wieder nach West-Berlin zurück.

Die Haltung der DDR-Regierung zu Martin Luther King war zwiespältig. Zum einen feierte sie ihn als großen Bürgerrechtler, der in den USA für die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen kämpfte. Andererseits betrachtete man in der DDR seinen christlichen Glauben mit Misstrauen. Christliche Kirchen galten als Zentren des Widerstandes  gegen das sozialistische System und waren nicht selten Repressionen ausgesetzt.

Am 14. September berichtete das DDR-Fernsehen in der Hauptausgabe seiner Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" über Martin Luther Kings Besuch in Ost-Berlin. In dem Beitrag wird Kings unverminderter Kampf für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA betont und sein Dank an die DDR für "die Hilfe und die moralische Unterstützung" in dieser Sache zitiert (Videozitat 1).

 

Tondokumente aus dem Programm des Rundfunks der DDR

 

Fernsehdokumente aus dem Programm des Fernsehens der DDR

 

Anmerkungen

1 N. N., Deutsche Lektionen. Obama war nicht der Erste: Auch Martin Luther King wurde in Berlin gefeiert, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.11.2008.
2 Stefan Appelius, Martin Luther in Ost-Berlin. "Let my people go!" in: Spiegel Online vom 11.09.2009 (http://www.spiegel.de).

 

Stand: 28. August 2014
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