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Das aktuelle Ereignis

Geburtstag von Stephan Hermlin (13.04.2015)

100. Geburtstag am 13. April 2015


Kurzinformationen

Foto: Stephan Hermlin, 1985

Stephan Hermlin, 1985
Foto: DRA Babelsberg / Klaus Winkler

 

Schriftsteller

  • geboren am 13. April 1915 in Chemnitz
  • gestorben am gestorben am 6. April 1997 in Berlin

 

 

 

 
 

Hörzitat (4'13"):
Rezitation "Die Asche von Birkenau", aus:
Dokument DRA Babelsberg K1763937


Stephan Hermlin wurde 1915 in Chemnitz unter dem Namen Rudolf Leder als Sohn jüdischer Eltern geboren. Durch das NS-Regime zur Auswanderung gezwungen, emigrierte er im Jahr 1936 zunächst nach Palästina, kehrte aber bereits 1945 nach Zwischenstationen in Frankreich und der Schweiz nach Deutschland zurück. Hier avancierte er zu einem bedeutenden Autor der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Zunächst trat Hermlin vor allem als Lyriker in Erscheinung. Berühmt geworden ist sein 1949 entstandenes Gedicht "Die Asche von Birkenau" (Hörzitat). Auch als Autor von Erzählungen wie "Der Leutnant Yorck von Wartenburg" machte Hermlin früh auf sich aufmerksam. Durch die Übersetzung komplexer Texte von Pablo Neruda und Louis Aragon ins Deutsche galt er darüber hinaus als Vermittler südamerikanischer und französischer Dichtung. Als Mitglied der Akademie der Künste der DDR, des Deutschen Schriftstellerverbandes, des PEN-Zentrums der DDR und weiterer Gremien nutzte er seinen Einfluss und setzte sich für junge Lyriker wie Wolf Biermann, Volker Braun und Sarah Kirsch ein. Nach dem im Dezember 1962 von ihm initiierten Lyrikabend in der Akademie der Künste der DDR, bei dem Nachwuchsautoren ihre zum Teil äußerst gesellschaftskritischen Gedichte vortrugen, wurde Hermlin von der SED scharf kritisiert. Daraufhin trat er von seinen Ämtern in der Akademie und im Schriftstellerverband zurück.

Videozitat (2'13")
aus: Dokument DRA Babelsberg FESAD IDNR 014675

 

 

 

 
 

Stephan Hermlin im Gespräch mit Ulrich Dietzel
 

 

Seinem Selbstverständnis als sozialistischem Schriftsteller folgend (Videozitat), engagierte er sich zeitlebens auf kulturpolitischem Gebiet und war in der internationalen Friedensbewegung aktiv. So fand die von ihm Ende 1981 organisierte "Berliner Begegnung zur Friedensförderung" in Ost-Berlin – einem von Fernsehkameras aus Ost und West begleiteten deutsch-deutschen Schriftstellertreffen, auf dem offen und öffentlich über die Gefahren eines drohenden Atomkrieges debattiert wurde – große internationale Beachtung. In den Beständen des Deutschen Rundfunkarchivs sind hierzu Fernseh- und Tondokumente überliefert, darunter ein Audio-Mitschnitt des kompletten zweiten Veranstaltungstages.

Letztlich entzieht sich die Person Stephan Hermlin einer pauschalen Einordnung und Bewertung. Vielmehr traten schon für seine Zeitgenossen die ambivalenten Züge seines Wirkens in den Vordergrund. Als "Dichter zweier Herren" (Nachruf von Günter Kunert im Spiegel 16/1997) habe ihn der Spagat zwischen Literatur und Macht in den Augen seiner Kritiker in Widersprüche verwickelt. Einerseits ist er wiederholt öffentlich für den SED-Staat eingetreten, andererseits scheute er nicht davor zurück, sich gegen Entscheidungen der Parteiführung zu stellen, etwa 1976 als Initiator der Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Am 13. April 2015 wäre Stephan Hermlin 100 Jahre alt geworden.

 

Fernsehdokumente

 

Tondokumente

 

Stand: 30. März 2015
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