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Das aktuelle Ereignis

"Deutsches Manifest" gegen Wiederbewaffnung (29.01.1955)

60. Jahrestag der Kundgebung in der Paulskirche am 29. Januar 2015


Kurzinformationen

'Deutsches Manifest', 29.1.1955
"Deutsches Manifest", 29.1.1955
Foto: Ullstein
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Am 29. Januar 1955 versammelten sich aus Protest gegen Konrad Adenauers Wiederbewaffnungspolitik etwa tausend Personen in der Frankfurter Paulskirche. Zu der Kundgebung mit dem Titel "Rettet Einheit, Freiheit, Frieden! Gegen Kommunismus und Nationalismus!" hatten der Vorsitzende des DGB Walter Freitag, der evangelische Theologe Helmut Gollwitzer, der frühere Bundesinnenminister Gustav Heinemann, der Vorsitzende der SPD Erich Ollenhauer und der Soziologe Alfred Weber eingeladen. Sie waren, wie Erich Ollenhauer es in seiner Rede betonte (Hörzitat 2), verschiedener religiöser Überzeugung und politischer Richtung. Sie stimmten jedoch in der Befürchtung überein, dass die von Adenauer angestrebte Westbindung der Bundesrepublik und die damit verbundene Wiederbewaffnung eine schnelle Wiedervereinigung beider deutschen Staaten verhindern könnten. Gustav Heinemann drückte es klar aus: Wer militärische Blockbindung betreibe, arbeite gegen die Wiedervereinigung (Hörzitat 1). Dieser Meinung versuchten alle Redner, die auf der Veranstaltung das Wort ergriffen, durch die Verabschiedung eines "Deutschen Manifests" mehr Gewicht zu geben.

 

Gustav Heinemann, 1950
Gustav Heinemann, 1950
Foto: DHM Berlin, BA 90/5756

Hörzitat 1 (3'13") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main K001187582

 

Die Bundesrepublik Deutschland war als Staat ohne Armee entstanden, hatten doch die Alliierten nach der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 umfangreiche Maßnahmen getroffen, um zu vermeiden, dass die Deutschen wieder einen Krieg beginnen könnten. 1950 beschleunigte der Ausbruch des Koreakrieges jedoch den Strategiewechsel, der sich schon seit Beginn des Kalten Krieges 1947 angekündigt hatte: Von nun an drängten die USA auf die Schaffung eines europäischen militärischen Bündnisses gegen die Sowjetunion unter Einbeziehung Westdeutschlands. Diese Politik kam Konrad Adenauer entgegen. In seinen Augen bedeutete Westbindung Schutz gegenüber der kommunistischen Sowjetunion und ihrem Vasallenstaat DDR. Darüber hinaus stellte der Aufbau von Streitkräften für die junge Bundesrepublik eine Möglichkeit dar, eine eigene staatliche Souveränität zu erlangen und zu einem gleichberechtigten Partner der Westmächte zu werden. Nur auf dieser Basis sah der Bundeskanzler eine realistische Chance für eine Wiedervereinigung Deutschlands "in Frieden und Freiheit".


Erich Ollenhauer, 1953
Erich Ollenhauer, 1953
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-21272, via Wikimedia Commons

Hörzitat 2 (2'58") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main K001187582

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der totalen Niederlage Deutschlands war ein Teil der Bevölkerung nicht bereit, den Weg der Wiederbewaffnung mitzugehen. Es solle "nie wieder Krieg" geben. Vor allem in der SPD war man außerdem der Meinung, dass in keinem Fall auf das politische Ziel einer baldigen Wiedervereinigung verzichtet werden dürfe. Adenauer setzte sich dennoch durch: Einen Monat nach der Veranstaltung in der Paulskirche, am 27. Februar 1955, ratifizierte der Bundestag die Pariser Verträge, welche die Aufhebung des Besatzungsstatus festschrieben. Die nunmehr souveräne Bundesrepublik trat im Mai 1955 der NATO bei. Damit wurden die Voraussetzungen für den Aufbau der Bundeswehr geschaffen. Auf die Wiedervereinigung musste noch 34 Jahre gewartet werden.

 
 

Tondokument

 

 

Stand: 20. Januar 2015

 

 

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