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Das aktuelle Ereignis

Geburtstag von Philipp Scheidemann (26.07.1865)

150. Geburtstag am 26. Juli 2015


Kurzinformationen

Philip Scheidemann
Philipp Scheidemann, ca. 1918
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1979-122-29A,
via Wikimedia Commons
 

Sozialdemokratischer Politiker

  • geboren am 26. Juli 1865 in Kassel
  • gestorben am gestorben am 29. November 1939
    in Kopenhagen

Hörzitat 1 (4'11") aus: Dokument
DRA Frankfurt K000661603

Hörzitat 2 (1'57") aus: Dokument
DRA Frankfurt K000661606

Hörzitat 3 (3'17") aus: Dokument
DRA Frankfurt K000668174


"Das Alte, das Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik!" Das sind wohl die bekanntesten Worte Philipp Scheidemanns, gesprochen bei der Ausrufung der Republik am 9. November 1918. Der Politiker gilt heute als herausragender Vertreter der deutschen Sozialdemokratie in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Scheidemann war gelernter Schriftsetzer, er arbeitete aber ab 1895 als Journalist für verschiedene sozialdemokratische Zeitungen. Schon gegen Abschluss seiner Lehre war er in die SPD eingetreten und wurde als 38-Jähriger Mitglied des Reichstags. 1911 wurde er zum Sekretär, 1913 in den Vorstand der SPD gewählt, er erhielt eine führende Rolle in der SPD-Fraktion im Reichstag. In dieser Funktion galt Scheidemann als "Mehrheitssozialist", er vertrat eine moderate und vom Gros seiner Partei getragene Politik.

Im Laufe des Ersten Weltkriegs wandte er sich ab von den Vorstellungen eines Siegfriedens und den Eroberungsabsichten, die etwa vom Alldeutschen Verband propagiert wurden. Die allgemein wachsende Not der Arbeiterschaft, aber auch das Scheitern des uneingeschränkten U-Boot-Krieges und der Kriegseintritt der USA waren wohl die Ursachen für seine Bemühungen um eine rasche Beendigung des Krieges. In seiner "Friedensrede" im Reichstag am 15. Mai 1917 warb er nochmals eindringlich für einen Verständigungsfrieden, der von der notleidenden Bevölkerung herbeigesehnt werde; er kritisierte in diesem Zusammenhang den vom Alldeutschen Verband verwendeten Propagandabegriff "Verzichtfrieden" (Hörzitat 1, später nachgesprochen).


Proklamation der Republik durch Scheidemann
Vor dem Reichstag: Proklamation der Republik durch Scheidemann, 9. November 1918
Foto: DHM Berlin, DHM 92/2566
 

Seit Kriegsende bekleidete Scheidemann kurzzeitig das Amt eines Staatssekretärs ohne Ressort in der Regierung von Max Prinz von Baden (3. Oktober bis 9. November 1918). Nach Ausbruch der Novemberrevolution rief Scheidemann am 9. November 1918 die Republik aus (Hörzitat 2, später nachgesprochen). Seiner eigenen Darstellung nach wurde der Politiker an diesem Tage von Arbeitern und Soldaten aufgefordert, zu den Tausenden von Menschen vor dem Reichstag zu sprechen: Es sei Eile geboten, denn Karl Liebknecht beabsichtige, die Sowjetrepublik auszurufen. Die Ausrufung der Republik erfolgte – formal betrachtet – ohne Legitimation durch das Volk oder dessen Vertreter, was Scheidemann später heftige Kritik seines Parteifreundes Friedrich Ebert eintrug.


Aufruf der SPD zur Reichstagswahl 1928

Aufruf der SPD zur Reichstagswahl 1928
Foto: DHM Berlin, Do 62/1020.4
(Anklicken öffnet vergrößertes Bild in einem PopUp-Fenster)

Scheidemann wurde später Mitglied des Rates der Volksbeauftragten (November 1918 bis Januar 1919) und war von 1919 bis 1920 Abgeordneter der Weimarer Nationalversammlung. Er wurde ab Februar 1919 zum Ministerpräsidenten der "Weimarer Koalition" gewählt, die aus SPD, Zentrum und Deutscher Demokratischer Partei (DDP) bestand. Allerdings trat Scheidemann schon im Juni 1919 zurück, da er den Versailler Vertrag für inakzeptabel hielt. Von 1920 bis 1933 gehörte er dem Reichstag an, von 1920 bis 1925 war er zugleich Oberbürgermeister von Kassel. Immer wieder trat Scheidemann als begnadeter Redner in Erscheinung, so etwa in einer Wahlkampfrede für die SPD, die als Schallplatte überliefert ist. Dort prangerte er die von den "reaktionären Parteien" verursachte soziale Not der Menschen an und stellte die Verdienste der SPD heraus, die das "Reich vor dem Zerfall" gerettet, Männer und Frauen politisch gleichgestellt und das Wahlrecht reformiert habe (Hörzitat 3).

Unter dem Eindruck der einsetzenden NS-Diktatur ging Scheidemann im März 1933 ins Exil. Er verstarb am 29. November 1939 in Kopenhagen.

 
 

Tondokumente

 

 

Stand: 16. Juli 2015

 

 

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