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Das aktuelle Ereignis

Unterzeichnung des deutsch-französischen Waffenstillstandsvertrags in Compiègne (22.06.1940)

75. Jahrestag am 22. Juni 2015


Kurzinformationen

Foto: General Huntzinger beim Unterzeichnen des Waffenstillstandsvertrags

General Huntzinger beim Unterzeichnen des Waffenstillstandsvertrags
Foto: Carl Weinrother / Bundesarchiv, B 145 Bild-P50284, via Wikimedia Commons

 

Hörzitat (2'03") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main K000744685

Telefongespräch zwischen
Huntzinger und Weygand nach
der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags:

Transkript in Französisch

Transkript in Deutsch


Dem Sieg der deutschen Wehrmacht über Polen im Oktober 1939 und über Dänemark und Norwegen im April 1940 folgte derjenige über die Niederlande, Belgien und Frankreich im Mai bzw. Juni 1940. Während die niederländischen und die belgischen Streitkräfte kapitulierten, entschied sich die französische Regierung unter Marschall Pétain für einen Waffenstillstand. Im Falle einer Kapitulation – ein militärischer Akt, wodurch die Streitkräfte eines Landes anerkennen, dass sie den Kampf auf dem Schlachtfeld verloren haben – hätte der Kampf von den nordafrikanischen Kolonien aus fortgeführt werden können. Der Waffenstillstand, ein politischer Hoheitsakt, sollte stattdessen die Feindseligkeiten beenden und Pétain und seinen Anhängern es dann ermöglichen, unter deutscher Kontrolle eine neue Ordnung einzuführen.

Der Waffenstillstandsvertrag wurde nach zweitägigen Verhandlungen am 22. Juni 1940 um 18.50 Uhr von Wilhelm Keitel und Charles Huntzinger, dem Leiter der französischen Delegation, im Wald von Compiègne unterzeichnet. Er beinhaltete unter anderem eine Teilung des französischen Territoriums in eine unbesetzte Zone und eine besetzte Zone, über die Deutschland die Rechte einer Besatzungsmacht ausübte. Frankreich blieb auf der internationalen Bühne anerkannt, die Stadt Vichy wurde französischer Regierungssitz. Gleichwohl waren die Bedingungen auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet besonders hart. Die Bewältigung der daraus folgenden Alltagszwänge und Mangelsituationen sollte das Vichy-Regime in den folgenden Jahren schwer belasten.

Während der Verhandlungen baten die französischen Delegierten mehrmals um die Möglichkeit, mit ihrer Regierung in Bordeaux telefonieren zu dürfen. In ihren Erinnerungen erzählen sowohl der Dolmetscher der deutschen Delegation Paul Schmidt als auch der amerikanische Journalist William L. Shirer, inwiefern die Herstellung einer Telefonverbindung über die Kampflinien hinweg einer "technischen Wunderleistung" entsprach. Beide berichten aber auch, dass die Deutschen im Salonwagen, in welchem die Verhandlungen stattfanden, verborgene Mikrofone angebracht hatten. So konnten nicht nur die Verhandlungen selbst, sondern auch die Telefongespräche zwischen General Huntzinger und seinem Vorgesetzten, General Weygand – inklusive des letzten, in dem Huntzinger, deutlich gerührt, Weygand über die vollbrachte Tat informierte (Hörzitat) – mitgeschnitten werden. Noch meinte William L. Shirer 1962, die Bandaufnahmen seien nie aufgefunden worden. Allem Anschein nach wurden sie jedoch nach 1945 von amerikanischen Truppen beschlagnahmt und in die USA gebracht. Sie liegen heute den National Archives in Washington und – in Kopieform – dem Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt am Main vor.

 

Tonaufnahmen

 

Literatur

 

Stand: 16. Juni 2015
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