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Das aktuelle Ereignis

Beginn des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses (20.11.1945)

70. Jahrestag am 20. November 2015


Kurzinformationen

Foto: Zeitungsleser nach der Urteilsverkündung im Nürnberger Prozess, 1946
Passanten informieren sich in der Zeitung über die Urteilsverkündung im Nürnberger Prozess, 1. Oktober 1946
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1990-032-29A / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
 

Hörzitat 1 (2'24") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main KONF.0721350

Hörzitat 2 (2'45") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main KONF.1187654

Hörzitat 3 (2'21") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main KONF.1902184

 

Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess beschäftigte ein Jahr lang Rundfunk und Presse auf intensive Weise. Neben vielen ausländischen Journalisten kamen deutsche Reporter aus Ost und West mit Berichten und Kommentaren zu Wort und gaben den vom NS-Regime begangenen Verbrechen eine breite Publizität. Für den Berliner Rundfunk berichtete u. a. der spätere Geheimdienstchef der DDR Markus Wolf (Hörzitat 3).

Der Internationale Militärgerichtshof, dem Vertreter der vier Siegermächte angehörten, war am 18. Oktober 1945 in Berlin zur Eröffnungssitzung zusammengetreten. Am 20. November begannen die Verhandlungen in Nürnberg, einem symbolträchtigen, da mit den Reichsparteitagen des Dritten Reichs assoziierten Ort. Angeklagt waren 22 Personen, allen voran Reichsmarschall Hermann Göring, der Stellvertreter des "Führers" Rudolf Heß, Außenminister Joachim von Ribbentrop und der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Wilhelm Keitel. Alle bezeichneten sich als "nicht schuldig" im Sinne der Anklage (Hörzitat 1).

Der Prozess endete am 1. Oktober 1946 mit der Verkündung der Urteile. Die Angeklagten waren befragt sowie mit Dokumenten und Zeugen konfrontiert worden, sie blieben dennoch bei ihrer ursprünglichen Stellungnahme. Rudolf Heß erhielt eine lebenslange Haftstrafe, Göring, Ribbentrop und Keitel wurden zum Tode verurteilt. Alle noch unter alliierter Kontrolle stehenden deutschen Sender übernahmen an jenem Tag die Sendungen des Nürnberger Studios: Radio München, Radio Stuttgart und Radio Frankfurt, die ebenfalls in der amerikanischen Besatzungszone lagen, aber auch "die Sender Berlin, Leipzig, Dresden, Weimar, Magdeburg, Schwerin, Potsdam, Freiburg, Saarbrücken, Koblenz, Kaiserslautern, Hamburg, Köln, Flensburg, Hannover, der Drahtfunk Schleswig-Holstein und Bremen, ferner der Rundfunk im amerikanischen Sektor Berlin" (Hörzitat 2).

Ob es dem Rundfunk gelang, die Einstellungen der deutschen Bevölkerung zum Nationalsozialismus zu beeinflussen, darf bezweifelt werden. Meinungsumfragen von Amerikanern und Briten stellten damals fest, dass rund die Hälfte der Befragten Affinitäten zum Nationalsozialismus aufwies und dass dieser Wert während des Prozesses zwar schwankte, im Durchschnitt sich aber nicht veränderte. Auf die Dauer versperrte der Nürnberger Prozess jedoch den Deutschen die Flucht in ähnliche Dolchstoß- und Verratslegenden, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg aufgekommen waren.

 

Tonaufnahmen

 

Siehe auch die DRA-CD:

Cover der CD

Der Nürnberger Prozess
Das internationale Tribunal gegen die Hauptkriegsverbrecher
(Stimmen des 20. Jahrhunderts, Nr. 32)



sowie die DRA-Publikation:

Cover des Buches

Berichterstattung über den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46
(Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs, Bd. 5)



 

Stand: 11. November 2015
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