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Das aktuelle Ereignis

Die Eröffnung des Palastes der Republik (23.04.1976)

40. Jahrestag am 23. April 2016



Foto: Palast der Republik, Außenansicht, Berlin 1984
Palast der Republik, Außenansicht, Berlin 1984
Foto: DRA Babelsberg / Arne Mantay
 

Hörzitat 1 (1'41") aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.2004384

Hörzitat 2 (1'38") aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.1995766

 

Der Palast der Republik wurde als Haus des Volkes zwischen 1973 und 1976 auf einem Teil des Geländes des ehemaligen Berliner Stadtschlosses erbaut. Das Berliner Stadtschloss musste bereits 1950 auf Beschluss des III. Parteitages der SED als Symbol des Preußischen Militarismus dem Bau des Marx-Engels-Platzes weichen. So wurde der Palast der Republik auf dem Marx-Engels-Platz neben dem Neuen Marstall errichtet, direkt am Spreeufer, gegenüber dem Lustgarten und dem Berliner Dom. Ganz in der Nähe befand sich das Staatsratsgebäude der DDR. In einer Zeit der weltweiten Anerkennung der DDR sollte der Palast zum architektonischen Symbol für das neue DDR-Bewusstsein werden, für Heimatgefühl und die Identifikation der DDR-Bürger mit dem eigenen Staat. Während der Grundsteinlegung am 2. November 1973 würdigte Erich Honecker daher das zukünftige Gebäude "als Haus des Volkes, als Beratungsstätte der Volkskammer, als Ort wichtiger Kongresse und internationaler Begegnungen, eine Heimstatt der sozialistischen Kultur, als Ort des Frohsinns und der Geselligkeit der werktätigen Menschen".

Am 23. April 1976, nach 32-monatiger Bauzeit, wurde der Palast der Republik feierlich eröffnet. Anwesend waren neben der Partei- und Staatsführung 3800 Bauschaffende. In seiner Eröffnungsrede hob der damalige Bauminister Wolfgang Junker die Hingabe, den Ideenreichtum und das fachliche Können aller am Bau Beteiligten hervor. Indem er in seinen Dankesworten alle Berufsgruppen aufzählte, sogar die Angehörigen der NVA nicht ausließ, bekräftigte er den propagandistischen Anspruch von SED und Regierung, dass der Palast der Republik ein "Haus des Volkes" sei, das durch die schöpferische Arbeit der Werktätigen dem "sozialistischen Lebensgefühl" des Volkes entspräche (Hörzitat 1).

Das Bauwerk gehörte zur repräsentativen Architektur der DDR. Chefarchitekt Heinz Graffunder hatte mit seinen Kollegen den Plenarsaal der Volkskammer mit einem Kongress- und Freizeitzentrum für 5000 Besucher durch eine Halle verbunden. Dieses zweigeschossige Hauptfoyer mit Glasblume war der öffentliche Anziehungspunkt. Die Foyer-Wände aus Marmor dienten der Ausstellung bedeutender DDR-Malerei. Der Palast war nicht nur Sitz der Volkskammer, sondern beherbergte auch eine Gemäldegalerie und verfügte über Bowlingbahn, Jugendklub, Theater, Postamt und dreizehn gastronomische Einrichtungen. Der vom Architekten Manfred Prasser entworfene sechseckige Große Saal mit zentraler Bühne, verschiebbaren Wänden und einer speziellen Bühnentechnik galt bis zum Schluss als Wunderwerk der Technik. Dort fanden Auftritte internationaler Künstler wie Chris Barber, Harry Belafonte, Carlos Santana und Mireille Mathieu statt. Auch die Unterhaltungsreihe des Fernsehens der DDR "Ein Kessel Buntes" wurde von dort übertragen.

In einer Rundfunkübertragung zur feierlichen Eröffnung am 23. April 1976 kam der Architekt Heinz Graffunder zu Wort, um seine Sicht zur Grundidee des Projektes und deren Bedeutung für die Bevölkerung darzulegen (Hörzitat 2).

Ab dem 25.04.1976 öffnete das "Haus des Volkes" seine Pforten auch für die Öffentlichkeit. Aus allen Bezirken der Republik kamen die Menschen, um die Stätte zu besichtigen. Der Bauleiter des Palastes, Prof. Erhardt Gißke, zog an dem Tag in einem Fernsehinterview eine erste persönliche Bilanz (Videozitat).
 

Videozitat (2'48")
aus: Dokument DRA Babelsberg FESAD IDNR 085739

 

 

 

 
 

Besucher bei der Übergabe des Palastes der Republik an die Öffentlichkeit am 25.04.1976
 

 

Für den Palast der Republik gab es im Volksmund verschiedene Bezeichnungen. Der Liedermacher Wolf Biermann, der sieben Monate nach der Eröffnung aus der DDR ausgebürgert wurde, hat ihn in seiner Bibel-Ballade "Palazzo di Protzo" getauft. "Ballast der Republik" wurde er wegen der Bau- und Erhaltungskosten genannt, und da 10.000 Glühlampen installiert wurden, hieß er auch "Erichs Lampenladen".

Am 19. September 1991 wurde das Gebäude auf Anweisung der Volkskammer geschlossen. Grund war die Verwendung von ca. 5000 Tonnen Spritzasbest für den Bau. Nach der Asbestentfernung und zahlreichen kontroversen Debatten auf der politischen Ebene wurde der Palast der Republik zugunsten des Wiederaufbaus des Stadtschlosses ab Februar 2006 abgerissen. Von seiner Eröffnung bis zur Schließung wurde er von 70 Millionen Gästen besucht.

 
(Kirstin Schneider)

 

Fernsehdokumente

 

Tondokumente

 

Stand: 14. April 2016

 

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