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Das aktuelle Ereignis

Verabschiedung des Gesetzes zur Bildung der Nationalen Volksarmee (18.01.1956)

60. Jahrestag am 18. Januar 2016


Kurzinformationen

Foto: Konrad Adenauer und Theodor Blank bei einem Besuch der Bundeswehr in Andernach, 1956
Bundeskanzler Konrad Adenauer besucht an der Seite von Verteidigungsminister Theodor Blank erstmals die Bundeswehr in Andernach, 20.01.1956
Foto: Helmut J. Wolf, Bundesarchiv, Bild 146-1998-006-34 / CC-BY-SA, via Wikimedia Commons
 

Hörzitat 1 (1'34") aus: Dokument
DRA Frankfurt am Main KONF.1122044

 

Die Bundesrepublik Deutschland war als Staat ohne Armee entstanden, hatten doch die Westalliierten nach der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 umfangreiche Maßnahmen getroffen, um zu vermeiden, dass die Deutschen wieder einen Krieg beginnen könnten. 1950 beschleunigte der Ausbruch des Koreakrieges jedoch den Strategiewechsel, der sich schon seit Beginn des Kalten Krieges 1947 angekündigt hatte: Von nun an drängten die USA auf die Schaffung eines europäischen militärischen Bündnisses gegen die Sowjetunion unter Einbeziehung Westdeutschlands.

Diese Politik kam Konrad Adenauer entgegen: Groß war das Interesse der Bundesregierung, über die Erlangung eigener Sicherheitskräfte die staatliche Souveränität Westdeutschlands auszubauen und zu demonstrieren. Ferner stand außer Zweifel, dass die Bundesrepublik an die Seite der Westmächte gebunden werden musste. Die Offerten aus Ost-Berlin und Moskau, wie der Appell der Volkskammer der DDR an den Bundestag im September 1951, gemeinsam in Beratungen über gesamtdeutsche Wahlen einzutreten, oder die "Stalin-Note" vom März 1952, welche die Einberufung einer Friedenskonferenz vorschlug, wurden abgelehnt. Noch im Sommer 1955 vertrat Franz Josef Strauß, der sich in den Debatten des Bundestags um die Wiederbewaffnung als besonders talentierter Redner profiliert hatte, den Standpunkt, es sei "schlechthin selbstmörderisch, an die absolute Friedensliebe der Sowjets zu glauben" (Hörzitat 1).

Der Plan, eine Armee innerhalb einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) unter Einbeziehung deutscher Kontingente aufzustellen, scheiterte, weshalb die Bundesrepublik eine eigene Armee aufbauen konnte. Am 27. Februar 1955 ratifizierte der Bundestag die Pariser Verträge, welche die Aufhebung des Besatzungsstatus festschrieben. Die nunmehr souveräne Bundesrepublik trat am 6. Mai 1955 der NATO bei. Am 2. Januar 1956 rückten die ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr in Andernach ein. Die Reaktion der SED ließ nicht auf sich warten: Zwei Wochen später wurde in der Volkskammer der DDR das Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee (NVA) und des Ministeriums für Nationale Verteidigung verabschiedet.
 

Hörzitat 2 (1'51") aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.2004356

Hörzitat 3 (1'43") aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.2004356

 
Foto: Vereidigung erster NVA-Einheiten in Oranienburg, 1956
Vereidigung erster NVA-Einheiten in Oranienburg, 30. April 1956
Foto: Walter Heilig, Bundesarchiv, Bild 183-37818-0004 / CC-BY-SA, via Wikimedia Commons

 
Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland erlaubte in der Sowjetischen Besatzungszone bereits 1945 die Bildung von Polizeiformationen, die zunächst den Ländern unterstanden. Mit Gründung der DDR stand die Volkspolizei dann ab Oktober 1949 unter Kontrolle des Ministeriums des Innern. Am 1. Juli 1952 wurde die Kasernierte Volkspolizei geschaffen. Am 14. Mai 1955 gehörte die DDR zu den Gründungsstaaten des Warschauer Vertrags. Vom militärischen Teil des Bündnisses war sie jedoch noch ausgeschlossen, da sie über keine eigene Armee verfügte. Die Voraussetzungen für einen Aufbau der DDR-Streitkräfte wurden parallel geschaffen: Durch den am 20. Januar 1955 geschlossenen "Vertrag über die Beziehungen der DDR und der UdSSR" wurde die Souveränität der DDR garantiert. Am 26. September 1955 erklärte eine Erweiterung der Verfassung den "Dienst zum Schutz des Vaterlandes" zur nationalen Pflicht der DDR-Bürger.

In der Volkskammersitzung vom 18. Januar 1956 begründete der Stellvertretende Ministerrats-Vorsitzende und spätere Verteidigungsminister Willi Stoph die Schaffung einer Nationalen Volksarmee und eines Ministeriums für Nationale Verteidigung mit dem Argument, es müssten angesichts der Wiedererrichtung des Militarismus in Westdeutschland die Verteidigungsfähigkeit der DDR und damit der Schutz der Errungenschaften der arbeitenden Bevölkerung gewährleistet werden. Für die deutsche Spaltung sei der westdeutsche Militarismus verantwortlich, Vorschläge vonseiten der DDR hinsichtlich einer Entspannung und einer deutsch-deutschen Annäherung seien vom Bundestag stets abgelehnt worden (Hörzitat 2). Während es sich, so Stoph weiter, bei der Bundeswehr um im Dienst des Monopols stehende "Söldnerformationen" handele, sei die Nationale Volksarmee in Übereinstimmung mit der Bevölkerung ein Schutzorgan des Arbeiter- und Bauernstaates (Hörzitat 3). Der Antrag zur Verabschiedung des Gesetzes wurde einstimmig angenommen. Die Umwandlung der Kasernierten Volkspolizei in die NVA wurde vollzogen, am 1. März 1956 wurde die NVA offiziell gegründet.

 
(Muriel Favre / Claudia Hunold)

 

Tonaufnahmen

 

Siehe auch die DRA-CD:

Cover der CD

Ost-West Konflikt
Wiederbewaffnung und Kalter Krieg in Deutschland 1949-1956
(Stimmen des 20. Jahrhunderts, Nr. 17)



 

Stand: 07. Januar 2016
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