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Das aktuelle Ereignis

Geburtstag von Martin Niemöller (14.01.1892)

125. Geburtstag am 14. Januar 2017



Kurzinformationen

Foto: Martin Niemöller, 1952
Martin Niemöller, 1952
Foto: J.D. Noske/Anefo via Wikimedia Commons
 

Pastor, Widerstandskämpfer, Friedensaktivist

  • geboren am 14. Januar 1892 in Lippstadt/Westfalen
  • gestorben am 6. März 1984 in Wiesbaden

 

 

 

Hörzitat 1 (1'09") aus: Dokument
DRA Frankfurt KONF.729088

Hörzitat 2 (1'27") aus: Dokument
DRA Frankfurt KONF.721217

 

Als Martin Niemöller am 6. März 1984 in Wiesbaden starb, schrieb Der Spiegel in seinem Nachruf: "Vom U-Boot und vom Freikorps zur Kanzel, vom Hitler-Wähler (seit 1924) zum KZ-Häftling und vom Bußprediger der Nation zum Leninpreisträger: Dieser maßlose Moralist im Land der Denker, Henker und Händler mied die leichten Wege, aber auch den Opfergang." Man kann den Lebensweg von Martin Niemöller kaum geradlinig nennen. Was sich aber wie ein roter Faden durch sein Wirken zieht, ist seine kämpferische Natur und sein Mut, Stellung auch gegen Autoritäten und Obrigkeiten zu beziehen.

Unmittelbar nach dem Abitur trat der am 14. Januar 1892 geborene Pastorensohn in die Kaiserliche Marine ein. Wie viele seiner Generation hegte er schon als kleiner Junge insbesondere für die Marine große Bewunderung. In den Ersten Weltkrieg zog Niemöller als U-Boot-Offizier, im letzten Kriegsjahr war er Kommandant. 1920 begann Niemöller mit dem Theologiestudium, was als Pastorensohn zwar nahe lag, jedoch eher aus finanzieller Not heraus geschah. Denn noch lieber wollte er als Landwirt einen eigenen Hof bewirtschaften oder nach Südamerika auswandern. Allein das Startkapital fehlte dafür. 1923 wurde er hauptamtlicher Geschäftsführer der Inneren Mission Westfalens in Münster, dem Vorläufer des Diakonischen Werks, und 1931 schließlich Gemeindepfarrer in Berlin-Dahlem.

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt hielt Niemöller, der bereits den Ruf eines Anhängers der Nationalsozialisten hatte, wenn auch ohne Parteiabzeichen, im Berliner Rundfunk eine Ansprache. Unter dem Titel "Wo ist der Führer?" schloss er sich angesichts der schwierigen Wirtschaftslage des Landes dem Ruf nach einer Autorität an: "Wann wird er kommen? Unser Suchen und Wollen, unser Rufen und Streben bringen ihn uns nicht. Wenn er kommt, wird er als ein Geschenk, eine Offenbarung Gottes kommen. Unser Ruf nach einem Führer ist ein Schrei um Mitleid." Leider wurde diese Aufnahme nicht archiviert.

Einige Monate nach der Machtergreifung 1933 entfernte er sich geistig von den Nationalsozialisten.  Als Folge des sogenannten "Arierparagraphen", den auch die Deutsche Evangelische Kirche (DEK) in ihren Grundsätzen verankerte und der unter anderem die Entlassung aller jüdischstämmigen Pastoren vorsah, gründeten einige Kirchenmänner am 21. September 1933 den Pfarrernotbund, dem auch Niemöller beitrat. Der Pfarrernotbund blieb bis 1945 bestehen, er leistete den Pfarrern, die sich reichskirchlichen Maßnahmen widersetzten, und ihren Familien juristischen Beistand und bot finanzielle Unterstützung an. Dies war der Beginn des sogenannten Kirchenkampfs mit Niemöller als einem seiner wichtigsten Protagonisten. Einen Höhepunkt fand die kirchliche Opposition am 31. Mai 1934 in der Gründung der Bekennenden Kirche als Gegenkraft zu der von Hitler initiierten und vom Nationalsozialismus maßgeblich beeinflussten Bewegung der Deutschen Christen.

Am 1. Juli 1937 wurde Martin Niemöller durch die Gestapo verhaftet. Häufig hatte er die antikirchlichen Maßnahmen des Staates in seinen Predigten kritisiert, worüber die Spitzel der Polizei, die Niemöller als die "treuesten Kirchenbesucher" nannte, eifrig Notizen machten (Hörzitat 1). Sieben Monate später wurde er zu Festungshaft verurteilt, die durch die vorhergehende Untersuchungshaft schließlich als abgegolten galt. Buchstäblich auf dem Weg in die Freiheit wurde er auf Veranlassung Hitlers in das KZ Sachsenhausen  verschleppt, wo er als persönlicher Häftling Hitlers bis 1941 in strenger Einzelhaft gehalten wurde. Danach wurde er ins KZ Dachau überführt, wo er bis zur Befreiung 1945 inhaftiert war.

Im Oktober 1945 war Niemöller Mitverfasser des Stuttgarter Schuldbekenntnisses. Darin bekannte sich die neu gegründete Evangelische Kirche in Deutschland (EKiD) zur Mitschuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten. Martin Niemöller bekannte sich in seiner berühmten Rede "Der Weg ins Freie" von 1946 auch persönlich zur Schuld: "Ich hatte wohl ein Alibi in der Tasche, meinen Ausweis als Konzentrationär von 1937 bis 1945. Aber was half mir dies Alibi?! Gott fragte mich […], wo ich von 1933 bis 1937 war." Von Frankfurt aus baute er das kirchliche Außenamt auf, war von 1947 bis 1964 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche von Hessen Nassau und reiste häufig für Vorträge, Seminare oder Predigten  ins Ausland. Er war Gegner der Wiederbewaffnung und von Atomwaffen und nahm am ersten Ostermarsch der Geschichte, 1958 in Aldermaston (England), teil.

Als Theologe und Pazifist setzte sich Martin Niemöller im Nachkriegsdeutschland für die Freiheit ein, indem er an die Verantwortung appellierte (Hörzitat 2). Mit seinem Engagement für den Weltfrieden und die Völkerverständigung wirkte er weit über kirchliche Kreise hinaus.

 
(Susanne Hennings)

 

Tondokumente

 

Stand: 22. Dezember 2016
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