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Das aktuelle Ereignis

Einmarsch der Wehrmacht in die unbesetzte Zone Frankreichs
als Reaktion auf die Landung der Alliierten in Nordafrika (11.11.1942)

75. Jahrestag am 11. November 2017



Foto: Kontrollposten an der Demarkationslinie zwischen der Süd- und der Nordzone Frankreichs, 1941
Kontrollposten an der Demarkationslinie zwischen der Süd- und der Nordzone Frankreichs, 1941
Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-017-1065-44A / Becker / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Hörzitat 1 (0'31) aus: Dokument
DRA (Frankfurt) KONF.2109757

Hörzitat 2 (0'57) aus: Dokument
DRA (Frankfurt) KONF.2109757


 

Der Waffenstillstandsvertrag, der am 22. Juni 1940 von Wilhelm Keitel, dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht und Charles Huntzinger, dem Leiter der französischen Delegation, im Wald von Compiègne unterzeichnet wurde (Aktuelles Ereignis 06/2015), sah die Teilung des französischen Territoriums in eine besetzte Zone und eine unbesetzte Zone vor. Über Erstere übte Deutschland die Rechte einer Besatzungsmacht aus. In Letzterer führten Pétain und seine Anhänger unter deutscher Kontrolle, aber mit einem gewissen Handlungsspielraum ein neues Regime ein, das Regime von Vichy – welches so genannt wurde, weil die Kleinstadt in der Auvergne an Stelle von Paris französischer Regierungssitz wurde. Hitlers Entscheidung, am 11. November 1942 die Wehrmacht in die unbesetzte Zone einmarschieren zu lassen, kam einem Vertragsbruch gleich. Das Vichy-Regime blieb zwar offiziell bestehen, wurde jedoch zum reinen Satelliten Deutschlands.

Die Besetzung der freien Südzone Frankreichs war Hitlers Antwort auf die Landung einer alliierten Armee an der nordafrikanischen Küste am 8. November 1942. Briten und Amerikaner wollten im Westen eine zweite Front eröffnen, um die Rote Armee im Osten zu entlasten. Noch erschien ihnen ein direktes Eingreifen in Europa zu riskant. Die Landung in Marokko und Algerien war für Deutschland und Italien jedoch nicht ungefährlich, denn sie bedrohte die Stellungen der beiden Achsenmächte im Mittelmeerraum.

Wie Max Domarus es in seinem Buch "Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945" (München 1965) anmerkt, war es "die letzte Besetzungsaktion, die Hitler sich in seinem Leben noch leisten konnte" (S. 1945). In einem "Aufruf an das französische Volk", das am 11. November auch im deutschen Rundfunk verlesen wurde, begründete er sie mit der Notwendigkeit, "England und nunmehr Amerika" daran zu hindern, "wieder auf französischem Boden Fuß zu fassen, um den Krieg, so wie es in ihrem Interesse liegt, auf fremder Erde weiterführen". Das Argument wurde in der Sondermeldung des OKW unverändert übernommen: Die Besetzung sei "zum Schutze des französischen Territoriums gegenüber den bevorstehenden amerikanisch-britischen Landungsunternehmen in Südfrankreich" angeordnet worden (Hörzitat 1). Die schon lange gleichgeschaltete "Berliner Börsenzeitung" ging sogar so weit zu behaupten, das Unternehmen solle "die Kulturstätten Frankreichs davor [bewahren], zum Kriegsschauplatz zu werden". Jeder Franzose solle dafür dankbar sein (Hörzitat 2).

Aus dem Angreifer wurde ein Beschützer gemacht, aus den Alliierten Todfeinde, die nicht davor zurückschrecken würden, das Land zu verwüsten. Den gleichen Diskurs findet man in der Rundfunkpropaganda der letzten Kriegsmonate. Dass der Bolschewismus eine Gefahr darstelle – davon war schon immer die Rede gewesen. Nach der Landung in der Normandie
(Aktuelles Ereignis 06/2014), als sie näher rückten, wurden aber auch die Anglo-Amerikaner als rachsüchtig und furchterregend geschildert. Auch gegen sie müsse um jeden Preis Widerstand geleistet werden. Dieses Mal war der Adressat der Botschaft allerdings nicht das französische, sondern das deutsche Volk selbst.

 
(Muriel Favre)

 

Tondokumente

 

 

Stand: 06. November 2017
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