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Das aktuelle Ereignis

Geburtstag von Jurek Becker (30.09.1937)

80. Geburtstag am 30. September 2017



Kurzinformationen

Foto: Jurek Becker in St. Louis, USA, 1993
Jurek Becker in St. Louis, Missouri, USA, April 1993
Foto: Leon Becker, via Wikimedia Commons
 

Schriftsteller und Drehbuchautor

  • geboren am 30. September 1937 in Lodz
  • gestorben am 14. März 1997 in Sieseby

 

Hörzitat 1 (2'03) aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.1498499

Hörzitat 2 (1'31") aus: Dokument
DRA Babelsberg KONF.6570326

 

Der Drehbuchautor und Romancier Jurek Becker wurde am 30. September 1937 im polnischen Lodz geboren, zumindest gilt dieser Tag als sein offizielles Geburtsdatum. Sein Vater hatte den Sohn auf dem Meldeschein für das Ghetto um ein bis zwei Jahre älter gemacht, um ihn vor der drohenden Deportation zu retten. An das tatsächliche Geburts­datum konnte sich der Vater später nicht mehr erinnern. Auf Grund dieser Tatsache ist es wahrscheinlich so, dass das anstehende Jubiläum nicht ganz realistisch ist. Es soll jedoch trotzdem begangen werden.

Der kleine Jurek verbrachte eine düstere Kindheit im Lodzer Ghetto und in den KZs Ravensbrück und Sachsenhausen. Seine Mutter überlebte die Konzentrationslager nicht. Gemeinsam begannen sein Vater und er nach dem Krieg einen Neuanfang in Ost-Berlin.

Trotz anfänglicher Probleme, vor allem mit der deutschen Sprache, entwickelte sich Jurek Becker zu einem schriftstellerisch talentierten jungen Mann. Er begann bereits während des Studiums mit dem Schreiben und verfasste dann auch Texte für das bekannte Ost-Berliner Kabarett "Die Distel".

1964 schrieb er das Drehbuch für "Jakob der Lügner", das jedoch erst zehn Jahre später von Frank Beyer verfilmt wurde. Der gleichnamige Roman erschien 1969 beim Aufbau-Verlag und bildete den ersten Teil seiner Holocaust-Trilogie. Der Stoff hierfür entstammte einer Geschich­te, die ihm sein Vater erzählt hatte (Hörzitat 1). Im Jahr 1971 wurde Jurek Becker für seinen "Jakob" mit dem Heinrich-Mann-Preis der Deutschen Akademie der Künste der DDR ausge­zeich­net. Die Verfilmung erhielt mehrere Auszeichnungen und eine Oscar-Nominierung als "Bester ausländischer Film".

Jurek Becker verarbeitete in seinen Werken die Themen, an die er glaubte. Dabei war er sich darüber bewusst, dass seine Vorstellungen von der Welt, die ihn umgab, geprägt wurden. Geschichten aus seinem Leben spiegelten sich in seinen Büchern und Filmen wider. Experte war er darin, Dialoge zu schreiben, die wie gesprochen wirken.

Anfangs verhielt sich Becker loyal dem sozialistischen deutschen Staat gegenüber und wurde sogar SED-Mitglied. Nachdem er sich für den 1976 aus der DDR ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann eingesetzt hatte, geriet er in den Fokus der Stasi. Seine Bücher verschwanden nach und nach aus den Buchhandlungen und aus den Bibliotheken. 1977 besuchte er die Bundes­repu­blik, zunächst mit einem Zweijahresvisum, doch schließlich verließ er dauerhaft die DDR.

In der Bundesrepublik erschienen einige neue Werke. Die größte Popularität erlangte Jurek Becker als Autor der Fernsehserie "Liebling Kreuzberg". Die Hauptrolle des Anwalts Robert Liebling wurde von Manfred Krug gespielt, mit ihm war Becker seit Jugendzeiten durch eine enge Freundschaft verbunden.

In der Wendezeit gehörte er zu denjenigen, die über die neue Stellung der Schriftsteller nachdachten. Er vertrat die leicht pessimistische Meinung, dass "die Furie des Vergessens" alle Bücher, sowohl aus dem Osten als auch aus dem Westen, fresse. Viele Bücher würden es allerdings verdienen, vergessen zu werden, weil viele Bücher aus opportunistischen Gründen geschrieben wurden (Hörzitat 2).

Ende des Jahres 1995 wurde bei Becker ein Krebsleiden diagnostiziert, an dem er am 14. März 1997 auf seinem Landsitz in Sieseby starb. Ein Zitat aus seinem letzten Interview zeigt Beckers Lebensmaxime:
"Ich bin da, um ein bisschen Remmidemmi zu machen. Ich bin da, um für ein bisschen Stimmung zu sorgen. Ich bin da, um für ein bisschen Wachheit zu sorgen."
(Zitiert nach: Kutzmutz, Olaf: Jurek Becker. Frankfurt am Main 2008, S. 74)

 
(Karin Langer)

 

Tondokumente

 

Fernsehdokument

 

Stand: 18. September 2017
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