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Das aktuelle Ereignis

Sigmund Jähn fliegt als erster Deutscher ins All (26.08.1978)

40. Jahrestag am 26. August 2018



Kurzinformationen

Foto: Portrait Sigmund Jähn
Portrait Sigmund Jähn
Bild: DRA (Babelsberg) / Bernd Nickel

Am 26. August 1978 startete die sowjetische Sojus 31 um 14.51 Uhr (UTC) im kasachischen Kosmodrom Baikonur ihre Reise zur Raumstation Saljut 6. An Bord befand sich neben dem russischen Kommandanten Waleri Bykowski der damals 41-jährige NVA-Offizier Sigmund Jähn – der erste deutsche Raumfahrer. Dass die DDR noch vor der Bundesrepublik einen Menschen in den Weltraum kata­pul­tierte, war für die Staats­führung ein beispielloser Erfolg, der auch medial zelebriert und inszeniert wurde. Für alle Zweifler erhielt die Schlagzeile vom "ersten Deutschen im All" in der DDR-Presse stets den Zusatz "Ein Bürger der DDR" – sicher ist sicher.

Zwei Tage nach dem Start konnte das Raumschiff an der sowjetischen Raumstation angekoppelt werden. In den folgenden Tagen führte die Besatzung zahlreiche wissenschaftliche Experimente durch, unter anderem in den Bereichen Material- und Atmosphärenforschung, Medizin, Biologie und Erderkundung.

 

Videozitat 1 (1'17)
aus: Dokument (Babelsberg)
FESAD IDNR 068448

 

 

 

 

 

Sigmund Jähn beschreibt die Ausstattung der Sojus 31

 

Mitgebracht hatte die Besatzung der Sojus 31 eine überarbeitete Version der 1976 erstmals eingesetzten Multispektralkamera MKF-6 des Kombinats VEB Carl Zeiss Jena für Messungen und Aufnahmen in bisher nicht dagewesener Qualität (Videozitat 1). Die Kamera bewährte sich über viele Jahre für die Erdfernerkundung und wurde später in einer weitermodifizierten Form auf der sowjetischen Raumstation MIR eingesetzt.

Neben der Forschung hatte die Mission zweifellos auch ein deutlich politisches Momentum. Im selben Jahr bereisten schon die (Inter-)Kosmonauten Vladimir Remek (Tschechoslo­wa­kei) und Miroslaw Hermaszewski (Polen) die Saljut 6. Damit stammen die ersten drei Raumfahrer, die nicht aus den USA oder der Sowjetunion kamen, alle aus Staaten des Warschauer Paktes ("Ostblocks"). Ausgangspunkt war das sowjetische Programm "Interkosmos", dessen Ziel die Einbindung nicht-sowjetischer, sozialistischer Staaten in die Raumfahrt war. Neben den Starts übertrugen die jeweiligen Rundfunkanstalten auch Grußworte an die Heimatbevölkerung und Gespräche mit den jeweiligen Staatschefs. Im DDR-Fernsehen wurde dafür eigens das Format "Kosmos-Studio" entwickelt. Den Auftakt machte die vom DEFA-Studio für Dokumentarfilme und dem Filmstudio der Nationalen Volksarmee produzierte Dokumentation "Unser Fliegerkosmonaut". Die Dokumentation schilderte das Training der Kosmonauten im Ausbildungszentrum und zeigt Jähn unter anderem in einer Zentrifuge bei Belastungstests sowie bei Ausstiegsübungen der Landekapsel im Wasser. Daran schlossen sich zahlreiche Beiträge rund um die Mission sowie die Person Jähn an: Vom Gespräch mit dem Vater Paul Jähn am heimischen Kaffeetisch über Berichte zum Heimatdorf Morgenröthe-Rautenkranz, in dem Volksfest-Stimmung herrschte, bis hin zur fachlichen Erläuterung von Experimenten der Materialwissenschaft an Bord der Raumstation wurde alles abgedeckt.
 

Foto: Empfang der Kosmonauten Sigmund Jähn und Waleri Bykowski in Berlin, 1978
Empfang der Kosmonauten Sigmund Jähn und Waleri Bykowski in Berlin-Schöneweide am 21.09.1978
Bild: DRA (Babelsberg) / Klaus Winkler

 
Folgenschwer für den gebürtigen Vogtländer blieb die Landung mit der Sojus 29 (die Sojus 31 brachte später die Stammbesatzung der Saljut 6 zur Erde) in der kasachischen Steppe. Durch mehrere Überschläge erlitt Jähn einen dauerhaften Wirbelsäulenschaden. Im Interview mit Erich Selbmann unmittelbar nach der Landung ließ der Pilot sich davon jedoch nichts anmerken (Videozitat 2).

 

Videozitat 2 (4'32)
aus: Dokument DRA (Babelsberg) FESAD IDNR 553714

 

 

 

 
 

Raumkapsel Sojus 29 am 3. September 1978 in der kasachischen Steppe bei Dscheskasgan


 

Bis zum Ende der DDR blieb Jähn der einzige Kosmonaut des sogenannten Arbeiter- und Bauernstaates. Fünf Jahre nach seinem Weltraumflug folgte ihm der bundesdeutsche Physiker und ebenfalls gebürtige Vogtländer Ulf Merbold als erster Nicht-US-Amerikaner einer NASA-Mission.

 
(Vincent Kutz)

 

Fernsehdokumente

 

Tondokument

 

Stand: 23. August 2018
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