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Das aktuelle Ereignis

Die Familienserie "Neumann – 2x klingeln" startet auf Radio DDR I (03.02.1968)

50. Jahrestag am 3. Februar 2018



Foto: Die Besetzung der ersten Folge der Reihe 'Neumann – 2x klingeln' 1968
Die Besetzung der ersten Folge der Reihe "Neumann – 2x klingeln" 1968: Helga Göring (Oma Naumann), Mario Müller (Sohn Jahn), Helga Piur (Tochter Brigitte), Marianne Wünscher (Mutter Neumann), Herbert Köfer (Vater Neumann)
Foto: DRA (Babelsberg) / Tassilo Leher

Hörzitat 1 (0'55) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.1946463

Hörzitat 2 (1'22) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.1868053

Hörzitat 3 (1'00) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.2096163

Hörzitat 4 (1'06) aus: Dokument
DRA (Babelsberg) KONF.2098073


 

"Neumann – 2 x klingeln", dieser Aufforderung folgten viele Zuhörer von Radio DDR I ab 1968 jede Woche am Samstagabend. Die Neumanns – das waren Vater Hans Neumann, ein Meister in der Endmontage eines VEB des Chemie-Anlagenbaus, Mutter Marianne, eine Unterstufen­lehrerin, Tochter Brigitte, Sohn Jan und die berufstätige Oma Naumann. Ein Großteil dieser Sendereihe ist im Bestand des Deutschen Rundfunkarchivs überliefert, darunter auch die erste Folge "Der Umzug", die am 3. Februar 1968 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Über 600 weitere Episoden aus dem Leben dieser Familie sollten folgen. Doch die eigentliche Geburts­stunde war ein wenig früher. Am 14. Januar 1968 wurde das Hörspiel "Geburt einer Familie" produziert. Es dokumentiert die Entstehung der Familiensendung "Neumann – 2 x klingeln": Autoren, Dramaturgen, Regisseur und Darsteller kommen zu einer (gespielten) Redaktions­sitzung zusammen, um die Familie Neumann mit ihren Stärken und Schwächen zum Leben zu erwecken und einen Namen für die Serie zu finden (Hörzitat 1). Das Manuskript dazu stammt von Autor Gerhard Jäckel und Dramaturg Werner Jahn, Regie führte Joachim Gürtner. Gesendet wurde das Hörspiel allerdings nie.

Die Konzeptoren und Autoren der Sendung versuchten, den Hörern einen Einblick in das Leben einer Familie von nebenan zu geben. Dementsprechend groß war die Themenvielfalt. In einer der ersten Folgen geht es um Eheprobleme, deren Anlass ein vergessener Hochzeitstag ist. Mutter Marianne nimmt es mit Humor und schickt Vater Hans ein Telegramm, um ihn an den 17. Hochzeitstag zu erinnern. Die Situation endet dann jedoch im Streit, weil Vater Neumann neben angestauter Eifersucht auch das Gefühl hat, im beruflichen Ansehen der Ehefrau unterlegen zu sein (Hörzitat 2). Die Folge "Der Jammerbrief" von 1974 beschäftigt sich mit einem Bericht des Sohnes über die Härte der Ausbildung bei der Nationalen Volksarmee (Hörzitat 3), die der 19-Jährige im Rahmen seiner Wehrpflicht absolvieren muss. Besorgt über das, was sie für Schikanen hält, sieht sich Oma Naumann zu Nachforschungen in der Kaserne veranlasst. Natürlich stellt diese Episode nicht die Ausbildungsmethoden der Nationalen Volksarmee in Frage, und so kommt Oma Naumann zu dem Schluss, dass es für alles eine nachvollziehbare Erklärung gibt – im sozialistischen Sinne. In dieser Folge kommt in mehreren Szenen die latente Militarisierung des Alltags in der DDR-Gesellschaft zum Ausdruck. Ganz anders geht es dagegen in der Folge "Der Vogel" von 1978 zu. Oma Naumann hat einen Wellensittich vorübergehend in Pflege genommen. Das Tier entfliegt allerdings und Oma Naumann entschließt sich, der Freundin einen neuen Vogel als deren geliebten Bubi zu verkaufen (Hörzitat 4).

Die Episoden wurden sehr authentisch und lebendig gestaltet, wenngleich die einen oder anderen erzieherischen Töne nicht ganz von der Hand zu weisen sind: Ausgemalt wurde ein Alltag, der zwar nicht frei von Problemen war, in dem aber diese Probleme zu lösen waren und nie im Widerspruch zur sozialistischen Gesellschaft standen. Trotzdem erfreute sich die Serie einer gewissen Beliebtheit, was vor allem durch die Hörerpost zum Ausdruck kommt. Nach Ansicht der Autoren und Darsteller ist das darauf zurückzuführen, dass die Themen aus dem Umfeld der Beteiligten und aus Hörerbriefen bezogen wurden. Nach dem Geheimnis der Serie gefragt, äußerte sich Regisseur Joachim Gürtner in der "BZ am Abend" vom 7. Februar 1970 wie folgt: "Alle Beteiligten haben selbst Familie. Da bringt jeder Probleme aus eigener Erfahrung mit. Auch aus Hörerkreisen kommen viele Vorschläge und Ideen, die von den acht Autoren der Serie verwendet werden." Das Ende der Hörspielreihe am 30. Mai 1981 mit der Folge "Warten auf Hans" kam nicht nur für die Hörer, sondern auch für die Beteiligten unerwartet und traf auf Unverständnis. In einem 2015 von der Firma Icestorm im Rahmen der Reihe "Radioarchiv" veröffentlichten Interview, berichtete Herbert Köfer rückblickend: "Das kam sehr überraschend. […] Die ganze Verabschiedung im Rundfunk, die war, wenn ich es als Darsteller sagen kann, kalt. Etwas erstaunlich für diese lange, lange Zeit, in der wir da alle zusammen waren."

 

Videozitat (2'43)
aus: Dokument DRA (Babelsberg) FESAD IDNR 012967

 

 

 
 

Irma Münch als Marianne Neumann in der Episode "Welch ein Tag" aus der Reihe "Familie Neumann", 1984

 

Auf das Engagement von Herbert Köfer (siehe auch: Das aktuelle Ereignis 2016/02) hin entstand dann im Jahr 1984 die Fernsehserie "Familie Neumann", die später "Neumanns Geschichten" hieß. Szenen und Dialoge in den Fernsehfolgen entsprachen oft den Hörspiel­vorlagen. In der Fernsehepisode "Welch ein Tag", die Szenarist (Drehbuchautor im heutigen Sprachgebrauch) Wolfgang Luderer auf Basis des Hörspielmanuskripts von Ulrich Waldner bearbeitete, sind fast alle Szenen identisch mit der Vorlage des Hörspiels "Der vergessene Hochzeitstag". Allerdings wurden einige Dialoge der Fernsehdramatik angepasst. So nimmt die Streitszene des Ehepaars Neumann mehr Raum ein als in der Hörspielfassung. Irma Münch und Herbert Köfer verdeutlichen in dieser Szene durch ihre schauspielerische Leistung, wie mittels Mimik und Gestik die Darstellung eines Ehestreits gestaltet werden kann, was in einer Hörspielszene in dieser Länge sicherlich weniger eindrücklich gelungen wäre (Videozitat).

Von der einstigen Sprecher-Besetzung übernahm allein Herbert Köfer eine Rolle in der Fernsehserie, und zwar die vertraute als Hans Neumann. Im Jahr 1986, nach insgesamt 18 Jahren, fanden die Familiengeschichten der Neumanns im Fernsehen der DDR einen Abschluss.

 

 
(Ina Langbein / Brigitta Hafiz)

 

Tondokumente

Im Bestand des Deutschen Rundfunkarchivs sind ca. 500 Folgen von "Neumann – 2x klingeln" vorhanden.

 

Fernsehdokument

 

Stand: 23. Januar 2018
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