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Das aktuelle Ereignis

Verwendung von Magnetophonbändern im deutschen Rundfunk (01.01.1938)

80. Jahrestag am 1. Januar 2018



Foto: Tonband aus den späten Jahren der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft
Die im Deutschen Rundfunkarchiv überlieferten Tonbänder waren zum Teil in einem schlechten Zustand und wurden für die zukünftige Nutzung restauriert und anschließend digitalisiert. Hier ein Tonband aus den späten Jahren der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (Deutscher Überseesender)
Foto: DRA (Abromeid)

Hörzitat 1 (1'01) aus: Dokument
DRA (Frankfurt) KONF.671319

Hörzitat 2 (1'10) aus: Dokument
DRA (Frankfurt) KONF.358536

Hörzitat 3 (1'31) aus: Dokument
DRA (Frankfurt) KONF.18220


 

Im Januar 1938 begann die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) offiziell mit der Verwendung von Magnettonbändern für die Schallaufzeichnung im Rundfunkbetrieb. Das von der AEG entwickelte Magnetophon ergänzte damit eine Reihe technischer Möglichkeiten zur Tonaufzeichnung, die seit rund zehn Jahren von den Sendern der RRG erprobt und angewandt wurden. In den ersten Jahren des deutschen Rundfunks seit 1923 entstanden zunächst noch keine Aufnahmen von Eigenproduktionen der Sendegesellschaften. Was damals ausgestrahlt wurde, lief live und konnte danach nicht wieder abgerufen werden. Die Aufzeichnung der Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung des Hauses des Rundfunks in der Berliner Masurenallee am 29.05.1929 ist die erste deutsche Rundfunksendung, die heute überliefert ist. Sie wurde als Teilaufnahme auf fünf einseitig bespielten Schellackplatten festgehalten.

Ab diesem Zeitpunkt etwa stellte die RRG zu Produktions- und Sendezwecken Aufnahmen auf Schellackplatten oder Schallfolien her. Mit den Schallplatten konnten Sendungen zum einen zeitversetzt ausgestrahlt oder abseits der Funkhäuser und Sendeeinrichtungen aufgenommen werden. Zum anderen war die mehrmalige Verwendung und langfristige Aufbewahrung von Inhalten möglich. Mitte der 1930er Jahre machte die Tonbandtechnologie erhebliche Fortschritte. Das im Jahre 1935 auf der Berliner Funkausstellung vorgestellte Magnetophon K 1 weckte das Interesse der RRG-Ingenieure. Obwohl die klanglichen Ergebnisse anfangs nicht überzeugten, experimentierte man zwischen 1935 und 1938 mit Bandaufnahmen, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Immerhin war die technologische Entwicklung im Bereich des mobilen Einsatzes der Aufnahmegeräte und der Qualität der Sprachaufnahmen so weit fortgeschritten, dass man zum Januar 1938 den Einsatz des Tonbandes im Sendebetrieb beschloss. Bei der AEG wurden 20 stationäre Tonbandgeräte und 20 mobile "Reportage-Geräte" bestellt, die mit Batterien unabhängig vom Stromnetz betrieben werden konnten.

Die Verwendung der mobilen Apparate wirkte sich auf die Programmgestaltung aus. Das Magnetophon wurde deshalb auch in den Sendungen selbst thematisiert. So nahmen im Frühjahr 1939 beispielsweise zwei Mitarbeiter des Stuttgarter Senders an einer Expedition für volkskundliche Tonaufnahmen in Albanien teil. In einer späteren Sendung berichteten sie ausführlich von ihren Erfahrungen, wobei der Einsatz des mobilen Magnetophons von besonderem Interesse war (Hörzitat 1).

Bis die Magnetbandtechnik flächendeckend in der Berliner Zentrale und in den Reichssendern zum Einsatz kam, dauerte es jedoch noch einige Zeit. Im Jahr ihrer Einführung 1938 fanden zunächst nur zwei Probesendungen von Tonband statt. Die letzten Zweifel wurden erst ausgeräumt, als sich durch die 1940 entwickelte Hochfrequenz-Vormagnetisierung die Qualität der Tonbandaufnahme erheblich steigern ließ. Nun eignete sich die Magnetbandaufzeichnung selbst für hochwertige Musikaufnahmen. Die Tonbandtechnologie ermöglichte im Zuge der weiteren Entwicklung stereophone Aufnahmen. Die Toningenieure der RRG experimentierten mit Raumklang, obwohl es damals noch nicht möglich war, in Stereo zu senden. Im Vergleich von zwei Musikaufnahmen kann man diese Weiterentwicklung erkennen. Bei der einen handelt es sich um den ersten Konzertmitschnitt auf Magnettonband, aufgenommen im Jahr 1936 mit dem Tonbandgerät AEG K2 Nr. 1028 (Hörzitat 2). Die zweite Aufzeichnung (Hörzitat 3) ist eine frühe Stereo-Versuchsaufnahme, entstanden 1943 im Haus des Rundfunks. Trotz geringen Rauschens kann sie deutlich von der ausgereiften Technik profitieren.
 
(Niklas Pelizäus)

 

Tondokumente

 

 

Stand: 03. Januar 2018
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