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Das aktuelle Ereignis

Erstausstrahlung des Polizeirufs "Der Kreuzworträtselfall"
im Fernsehen der DDR (6.11.1988)

30. Jahrestag am 6. November 2018

 
Ein aufsehenerregender Kriminalfall als reale Grundlage für die Dreharbeiten

Kurzinformationen

Foto: Polizeiruf 110 – Der Kreuzworträtselfall: Torsten Ranft (Stefan Winkelmeyer) spricht sein Opfer, den 7jährigen René Mittag (Marko Herzog) an
"Polizeiruf 110 – Der Kreuzworträtselfall"
Torsten Ranft (Stefan Winkelmeyer) spricht sein Opfer, den 7jährigen René Mittag (Marko Herzog) an.
Foto: DRA (Babelsberg) / Wolfram Zeuch

Im Januar 1981 verschwand ein siebenjähriger Junge in Halle-Neustadt. Das Verschwinden von Kindern und Jugendlichen wurde in der DDR mit großem Ernst verfolgt. Da ein Verbrechen nicht ausgeschlossen war, startete die Volkspolizei eine Suchaktion. Etwa zwei Wochen später fand man die in Plastik verpackte Leiche des Jungen in einem Koffer nahe einer Bahnstrecke. Der Junge war vor seinem Tod misshandelt und sexuell missbraucht worden.

Im Koffer befanden sich außerdem alte Zeitungen mit ausgefüllten Kreuzworträtseln. Da sich alle anderen Spuren als unbrauchbar erwiesen, nahmen die verantwortlichen Ermittler die Spur der Schrift auf den Kreuzworträtseln auf: Anhand ihrer Merkmale sollte es möglich sein, den Urheber der Schrift zu identifizieren.

In einer beispiellosen Sammel- und Auswertungsaktion suchten die Ermittler nach einem identischen Schriftbild in der Bevölkerung: Schriftproben wurden systematisch eingeholt, Altpapiersammlungen organisiert und Tonnen Altpapier gesichtet, Kader- und Meldestellenakten ausgewertet und schließlich sogar ein Preisausschreiben initiiert. Nach neun Monaten akribischer Ermittlungsarbeit und einer Auswertung von über 550.000 Schriftproben konnte die entscheidende Schriftprobe identifiziert werden, die schließlich zum Täter führte.

 
Die Darstellung der Ermittlungsarbeiten

Foto: Polizeiruf 110 – Der Kreuzworträtselfall: Andreas Schmidt-Schaller (Leutnant Grawe) und Günter Naumann (Hauptmann Beck) bei der Ermittlungsarbeit
"Polizeiruf 110 – Der Kreuzworträtselfall"
Andreas Schmidt-Schaller (Leutnant Grawe) und Günter Naumann (Hauptmann Beck) bei der Ermittlungsarbeit.
Foto: DRA (Babelsberg) / Wolfram Zeuch

In seiner 123. Folge griff die Kriminalreihe Polizeiruf 110 den spektakulären Fall auf. Regie führte Thomas Jacob, das Drehbuch hatte Gabriele Gabriel verfasst. Der Handlungsort wurde nach Berlin-Marzahn verlegt. In den Hauptrollen der beiden Ermittler spielen Günter Naumann (Hauptmann Günter Beck) und Andreas Schmidt-Schaller (Leutnant Thomas Grawe). Der Fernsehfilm macht von Beginn an kein Geheimnis aus der Identität des Mörders und seiner Motive. Auch dank der effektvollen Musik von Arnold Fritzsch nimmt das dem Film aber in keiner Weise die Spannung. Auch wird mehrmals angedeutet, dass der triebhaft handelnde Täter wieder zuschlagen könnte. Der Haupterzählstrang und das zentrale Spannungselement sind die Ermittlungsarbeiten selbst: In keinem Polizeiruf zuvor wurden sie in einer ähnlichen Akribie dargestellt. Der Umfang der Ermittlungen führt zur Einbindung verschiedener Ermittler- und Auswertungsteams, die koordiniert werden müssen. Spannend ist vor allem die Frage nach dem Durchhaltevermögen: Die Ermittler suchen die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Dabei kommen sie – körperlich wie psychisch – an ihre Grenzen. Werden sie das Schriftstück finden? Was, wenn sie die entscheidende Schriftprobe übersehen haben? Wann ist nach derartigen Investitionen der Zeitpunkt gekommen, aufzugeben? Was, wenn der Täter wieder zuschlägt?
 

Videozitat (1'39)
aus: Dokument (Babelsberg)
FESAD IDNR 027999

"Polizeiruf 110 – Der Kreuzworträtselfall",
Erstsendung: 06.11.1988

 

 
Darstellung der aufwändigen Ermittlungsarbeiten im "Kreuzworträtselfall"
Der Bogen zur kleinteiligen Ermittlungsarbeit wird auch durch das Gestaltungselement der Anzeige von Tag, Uhrzeit und Ort zu jeder neuen Szene geschlagen. Die Einblendung wird akustisch unterlegt mit den Anschlägen einer Schreibmaschine, ein damals noch wenig verbreitetes Gestaltungsmittel.

 

Die Polizeiruf-Reihe und ihr Umgang mit pädophil motivierten Kriminalfällen

Verbrechen mit pädophilem Hintergrund sind immer ein hochsensibles Thema - in der DDR hatte dies einen besonderen Aspekt: Da sie mit triebhaftem Verhalten in Verbindung standen, konnten sie nicht sozial motiviert sein. Psychologische Motivierung sah der ideologische Rahmen des Sozialismus aber nicht vor, da sie nicht auf historisch-gesellschaftliche Gründe zurückgeführt werden konnte.

Trotzdem war "Der Kreuzworträtselfall" nicht der erste Polizeiruf, der einen solchen Fall aufgriff. Erstmals stellten bereits die 7. Polizeiruf-Folge "Blutgruppe AB" und die 9. Folge "Minuten zu spät" das Problem sexuellen Missbrauchs eines Kindes dar. Das schwierige Thema wurde also weniger tabuisiert als man auf den ersten Blick annehmen möchte. Im Gegenteil wurden die Fälle mit großer Ernsthaftigkeit inszeniert.

Die Erzählung der Ermordung eines Kindes war in diesem Zusammenhang jedoch lange nicht möglich. Erst mit dem "Kreuzworträtselfall" und dem politischen Klima Ende der 1980er Jahre wurde auch das erzählbar – wenn auch nicht in den Bildern selbst. Auch die Offenheit, mit der Triebverhalten thematisiert wird, ist in vorherigen Polizeirufen so nicht anzutreffen.

 
(Anna Pfitzenmaier)

 

Fernsehdokumente

 

Stand: 31. Oktober 2018
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